Steuererklärung

Finanzämter nehmen jetzt die Rentner ins Visier

Bergedorf. Für zahlreiche Rentner wird es an Weihnachten in diesem Jahr nicht viel zu feiern geben. Denn vorher kommt in Hamburg und Schleswig-Holstein noch Post vom Finanzamt.

Inhalt: Die Aufforderung, für die Jahre 2011 und 2010 Steuererklärungen nachzureichen - und zwar innerhalb von vier Wochen. Andernfalls drohen Schätzungen und Bußgelder. Und wer die Erklärungen einreicht, könnte zum Nachzahlen verpflichtet werden - schlimmstenfalls rückwirkend bis 2005.

Grund für die böse Überraschung, die nach Einschätzung der Deutschen Steuergesellschaft nahezu alle Rentner treffen wird, die bisher keine Erklärung an das Finanzamt gegeben haben, ist das sogenannte Alterseinkünftegesetz. 2005 in Kraft getreten, kehrte es die Besteuerungsregeln um. Waren bis dahin die abgeführten Sozialversicherungsbeiträge steuerpflichtig, sind es nun die Renten selbst. Und damit sind die Senioren in der Verantwortung.

Doch genau diese Pflicht haben viele Rentner nicht realisiert, vielleicht auch einfach übersehen. Denn bisher begnügten sich die Finanzämter damit, Senioren mit besonders hohen Einkünften im Auge zu behalten. Jetzt aber droht die erste Verjährung: Wer bis Ende 2012 nicht angeschrieben worden ist, braucht für 2005 nichts mehr nachzuzahlen. Also rotieren die Finanzbeamten besonders in Hamburg und Schleswig-Holstein. Als Schlusslichter unter Deutschlands Finanzverwaltungen knöpfen sie sich gerade jeden unter den rund vier Millionen Ruheständlern im Norden vor und schätzen beim Blick auf die seit 2009 elektronisch gemeldeten individuellen Altersbezüge und sonstigen Kapitalauszahlungen, ob noch Geld eingetrieben werden kann. Wenn ja, wird die Steuererklärung angefordert.

Wer Post vom Finanzamt bekommt, muss also nachweisen, wie hoch seine Einkünfte tatsächlich sind. Dabei können von den Einkünften diverse Pauschalen, Freibeträge und besondere Aufwendungen abgezogen werden, etwa für Kranken- und Pflegeversicherung, Zahnersatz, Brillen oder auch Spenden und Handwerkerlöhne. Ergeben sich am Ende Einkünfte von maximal 1600 Euro im Monat, wird es - je nach Renteneintrittsalter - zu keiner oder nur einer sehr geringen Nachzahlung kommen.

Teuer dürfte es werden, wenn ein Ehepartner noch arbeitet und dabei in der Steuerklasse III veranlagt ist. Dann könnte die Nachforderung leicht bei 1500 Euro oder mehr pro Jahr liegen. Auch Betriebsrenten, Miet- und Kapitaleinkünfte sind dazu angetan, die Steuerlast zu erhöhen. Selbst die Witwenrente muss versteuert werden, eine Unfall- oder Entschädigungsrente dagegen nicht.

Wem das zu kompliziert ist, der findet fachliche Beratung für seine Erklärung bei den verschiedenen Lohnsteuerhilfe-Vereinen, die auch in Bergedorf Büros unterhalten, oder er wendet sich an einen Steuerberater. Denn wer jetzt Fehler macht, könnte auch für die Jahre bis einschließlich 2005 noch nachträglich veranlagt werden. "Rentner, die gar nicht reagieren, die müssen - wie jeder andere Steuerpflichtige - mit Mahnungen, Schätzbescheiden, vielleicht auch Steuerstrafverfahren rechnen", betont Daniel Stricker, Sprecher der Hamburger Finanzbehörde.