Ulf-Peter Busse

Totschläger lauerte abends Frauen auf

Lohbrügge. Der tödliche Angriff auf Natascha R. im Hochhaus Korachstraße 65 beschäftigt die Menschen in der Umgebung noch immer.

"Warum musste so was erst passieren?", ist die Frage, die vor allem Frauen seit der Tat in der Nacht auf Sonntag stellen. Denn Daniel G. (28) war seit Monaten dafür bekannt, ihnen immer abends an den benachbarten Straßen des Hochhauses aufzulauern.

Zwei von ihnen schilderten unserer Zeitung ihre unheimlichen Erlebnisse: "Er verfolgte seine Opfer in der Dunkelheit, saß teilweise im Gebüsch am nahen Grünen Zentrum, bis eine Frau vorbeikam. Dann stand er plötzlich vor ihr, sprach sie an." Mehrfach haben die Zeuginnen derartige Szenen beobachtet, stets mit jenem dunkel gekleideten, durchaus attraktiven Mann, der sich als Daniel G. entpuppte.

"Manchmal stand er einfach nur da, schaute und zückte zum Schein sein Handy", erinnert sich eine der Frauen, die das auch aus ihrer Wohnung beobachtete. "Doch es gab auch Situationen, in denen er Frauen ansprach. Einmal war auch ich an der Reihe", erinnert sie sich. Ihre Bekannte traf es noch heftiger: "Er ist mir mehrfach hinterher gelaufen, obwohl ich weggerannt bin. Das war schrecklich. Er wusste, welches Auto ich fahre und wann ich Feierabend habe." Das ging auch dann noch weiter, als ihr Freund den Mann zur Rede stellte.

Schließlich wurde die Polizei eingeschaltet. Die Beamten griffen Daniel G. mehrfach auf, sprachen sogenannte Schutzanordnungen zur Gefahrenabwehr gegen den 28-Jährigen aus: Er musste zu den betreffenden Frauen 50 Meter Abstand halten. So ist er seit dem Frühjahr bereits polizeilich aktenkundig. Allerdings nur wegen Belästigung. Handgreiflichkeiten gehörten nie dazu, wie auch die Zeuginnen bestätigen.

Entsprechend hatte die Polizei keine Handhabe, Daniel G. in Haft zu nehmen. Auch eine Einweisung in eine psychiatrische Klinik blieb aus. Darum scheint sich der Lohbrügger allerdings selbst gekümmert zu haben. "Erst war er im Frühjahr für zwei Monate verschwunden. Dann stand er im Juni und Juli plötzlich wieder da, bevor er wieder weg war", beschreiben die Zeuginnen.

Heute ist klar, dass er die Zeit in der Psychiatrie des Bethesda Krankenhauses verbrachte, wo er auch sein späteres Opfer Natascha R. aus Reitbrook kennenlernte. Dass es eine Beziehung zu der 33-Jährigen gab, blieb der Polizei verborgen. Ebenso, wie seine offenbar aufgestauten Emotionen, die sich in der Tatnacht mit so heftigen Schlägen und Tritten gegen Natascha R. entluden, dass die Frau in seiner Wohnung starb. Auslöser war wohl, dass die Frau keine Liebesbeziehung zum fünf Jahre jüngeren Daniel G. wollte.

Nach der Tat hatte er sich von seinen Eltern wieder in die Klinik fahren lassen, um dort anzudeuten, dass er seiner Freundin "etwas angetan" habe. Kurz darauf legte er ein Geständnis ab. Mittlerweile wurde er vom Haftrichter in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen. "Wir gehen davon aus, dass der Täter nicht schuldfähig ist", sagte Oberstaatsanwalt Wilhelm Möllers gestern.