Korachstraße

Reitbrookerin (33) erschlagen - Freund gesteht die Tat

Lohbrügge. Die Tat muss kurz vor Mitternacht geschehen sein. Daniel G. hatte die Reitbrookerin Natascha R. in der Nacht zu gestern in seine Wohnung im vierten Stockwerk des Hochhauses Korachstraße 65 eingeladen. Dort schlug der 28-Jährige so heftig auf die fünf Jahre ältere Frau ein, dass sie tot im Badezimmer zusammenbrach.

Warum Nachbarn weder Schreie noch sonstigen Lärm von der tödlichen Auseinandersetzung gehört haben wollen, ist eines der Rätsel dieser Tat.

Nach ersten Ermittlungen der Mordkommission kannte sich das Paar erst kurze Zeit. Unklar ist, ob es sich überhaupt um eine Liebesbeziehung handelte. Bei Recherchen unserer Zeitung im Hochhaus, das auf seinen 13 Stockwerken 104 Wohnungen mit Menschen aus acht Nationen vereint, zeigten sich Nachbarn gestern überrascht, dass Daniel G. eine Frau in seiner Wohnung hatte. "Der ist ein komischer Typ. Zwar stets gut gekleidet und gepflegt, ja ein durchaus attraktiver Kerl. Aber sehr scheu im Umgang mit Menschen", sagt ein Senior aus dem fünften Stock, der wie alle anderen auch anonym bleiben will. Offenbar ist die Sorge groß, sich mit der im Haus immer wieder aktiven Drogenszene anzulegen, zu deren Kunden auch Daniel G. gehören soll - als Konsument von Haschisch und Marihuana.

"Der huschte hier immer nur durch, ging erst gegen 21 Uhr Einkaufen im Penny am Rappoltweg. Eine Frau hatte er nie dabei. Vielleicht interessierte er sich gar nicht für sie", mutmaßt ein anderer Nachbar. Der Halbtürke Daniel G. hatte seit etwa drei Jahren eine Wohnung im Hochhaus. Zuvor soll er aus der elterlichen Wohnung geworfen worden sein. Dennoch habe zumindest sein türkischer Vater weiter Kontakt zu ihm gehalten.

Dass das Geschehen überhaupt schon aktenkundig ist, liegt am Täter selbst. Der 28-Jährige hatte gegen Mitternacht Angehörige angerufen und sie gebeten, ihn ins Bethesda Krankenhaus zu fahren. Dort war er nach Informationen unserer Zeitung bis vor einigen Wochen stationär in der psychiatrischen Abteilung behandelt worden. In der Klinik hatte er seinerzeit auch Natascha R. kennengelernt, deren Leben durch psychische und berufliche Probleme aus den Fugen geraten war.

Wieder zurück im Bethesda Krankenhaus, brach es jetzt aus dem 28-Jährigen heraus: Er habe seiner Freundin "etwas angetan". Sofort wurde die Polizei alarmiert. Die Beamten öffneten die Wohnungstür mit einem bereitwillig von Daniel G. übergebenen Schlüssel. Im Badezimmer fanden sie die 33-Jährige. Der Notarzt konnte nur noch ihren Tod feststellen, durch "stumpfe Gewalt gegen den Oberkörper herbeigeführt", wie es im Polizeibericht steht.

Daniel G. wurde festgenommen und legte in seiner Vernehmung ein Geständnis ab.

In Reitbrook herrscht große Betroffenheit. Gerade habe Natascha R. ihr Leben wieder in den Griff bekommen, heißt es aus der Nachbarschaft. Die 33-Jährige, die im Souterrain des elterlichen Bungalows am Vorderdeich in einer eigenen Wohnung wohnte, sei über eine Zeitarbeitsfirma wieder in ihren alten Beruf als Kauffrau zurückgekehrt.