Hafenschänke

Feierabend! Geesthachter Kultkneipe macht dicht

Geesthacht. Mit einer drastischen Pachterhöhung um unglaubliche 500 Prozent sorgt die Stadt Geesthacht jetzt für das Aus der "Hafenschänke". "Das Geld kann ich wirklich nicht mehr verdienen. Und von meiner Rente bringe ich sicher nicht noch Geld mit, um der Stadt dieses Geld zu zahlen", sagt Walburga Cox-Budig frustriert.

Am 31. Dezember feiert sie mit ihren Gästen Silvester - danach ist Schluss. Nach 22 Jahren schließt sie die Hafenschänke dann für immer ab.

1990 hatte sie mit ihrem vor zwei Jahren verstorben Mann die Hafenschänke übernommen. "Wir haben erst mal ein halbes Jahr renoviert und 70 000 D-Mark reingesteckt, ehe wir überhaupt öffnen konnten", erinnert sich die Wirtin von Geesthachts wohl urigster Kneipe. Den Tresen hat ihr Mann selbst gebaut, die Ausstattung zeugt in vielen Details von der maritimen Verbindung der Kneipe am Hafen.

Der Pachtvertrag, den Walburg Cox-Budig mit der Stadt hat, sieht zwei Kernpunkte vor: Zum einen eine Laufzeit von fünf Jahren, die unabhängig von der Pacht ist. Zum anderen eine bisher durchschnittlich um drei Prozent erhöhte Pacht, die alle drei Jahre neu verhandelt wird. "Wir haben einen Vertrag, der uns dazu verpflichtet, das Haus selbst in Ordnung zu halten. Das haben wir immer getan", sagt die 65 Jahre alte Wirtin. Selbst als ihr und ihrem Mann 1992 ein Orkan mitten in der Nacht das Dach über dem Kopf wegriss, bauten sie es neu auf.

Im Gegenzug zahlten die Wirtsleute eine Pacht von zuletzt 1500 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer pro Jahr. Die Idee, einen Mittagstisch anzubieten, scheiterte, weil laut Gesetzeslage die Küche einen Quadratmeter zu klein war. "So ist das halt, Beilagen, Gemüse und Fleisch durften wir nicht zusammen anbieten. Haben wir uns also auf Bratkartoffeln mit allerlei dazu beschränkt", sagt Walburga Cox-Budig. Doch künftig bleibt die Küche am Hafenrand kalt.

"Es hat mir hier immer großen Spaß gemacht und ich hatte viele Stammgäste, aber irgendwann ist es halt genug. Wenn die Stadt mich nicht mehr möchte und danach sieht diese Pachterhöhung ja eindeutig aus - dann höre ich eben auf. Damit geht für mich ein schöner Lebensabschnitt zu Ende, sagt die Wirtin. Schon ihren Verleih von Tretbooten hatte die Stadt torpediert, als plötzlich ein Schiffsgutachter dem Anlegesteg ein aufwendiges Schwimmfähigkeitsattest ausstellen sollte. Seit dem gibt es im Hafen keine Tretboote mehr.

Die Stadt sagt, dass es sich künftig um eine "angemessene Pacht" handeln würde. Torben Heuer, Sprecher der Stadt: "Im Zuge der Gleichbehandlung, wie etwa bei der Verpachtung des Kiosks am ZOB oder des Geländes am Strandweg, mussten wir diese moderate Erhöhung einfordern."

Die führt nun dazu, dass die Kultkneipe am Hafenrand ab Januar 2013 voraussichtlich leersteht. Denn ein neuer Pächter ist zu den Bedingungen der Stadt bisher nicht in Sicht.