Ländervergleich

Bildungssenator Ties Rabe krempelt die Ärmel hoch

Bergedorf. Es ist kein gutes Zeugnis, das Hamburg gestern von den Bildungsforschern der Humboldt-Universität Berlin bekam. Im Vergleich des Leistungsspektrums der Viertklässler belegt die Hansestadt den drittletzten Platz der 16 Bundesländer.

Noch schlechter sind nur Berlin und Schlusslicht Bremen. Klassenprimus bleibt Bayern, die Niedersachsen belegen Platz sechs, Schleswig-Holsteins Viertklässler kommen auf Rang Neun.

"Das Hamburger Ergebnis bestätigt weiterhin einen deutlichen Handlungsbedarf", sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Rande der von ihm geleiteten Kultusministerkonferenz der Länder, in deren Sitzung der sogenannte IQB-Ländervergleich vorgestellt wurde. Und Rabe krempelte auch gleich die Ärmel hoch: "Das Abschneiden der Kinder mit Zuwanderungshintergrund und der Kinder aus sozial benachteiligten Familien ist unbefriedigend." Darum werde sich Hamburg jetzt auf drei Handlungsfelder konzentrieren: Ausbau von individueller Förderung und Ganztagsangeboten, um Kindern aus bildungsfernen Elternhäusern neue Bildungschancen zu bieten. Zudem eine genaue Analyse der eingesetzten Ressourcen anhand der tatsächlich erzielten Bildungserfolge. Und schließlich der Aufbau eines Qualitätsmanagements, das über regelmäßige Lernstandsuntersuchungen, Berichte der Schulinspektion und einen allgemeingültigen Leitfaden zur Unterrichtsqualität an allen Stellen der Hansestadt gleiche Bildungschancen garantiert.

Tatsächlich ist Hamburgs Schullandschaft heute ein Experimentierfeld für die Zukunft ganz Deutschlands. Mit 44 Prozent stellen die Kinder aus Zuwandererfamilien in der Hansestadt den höchsten Anteil aller Bundesländer. Ihre Integration scheint zumindest auf einem vergleichsweise guten Weg. Denn laut Studie schlägt Hamburgs Bildungsqualität die beiden anderen, ebenfalls von Integrationsproblemen geschüttelten Stadtstaaten Berlin und Bremen deutlich. "Die Leistungsunterschiede zwischen Kindern mit und ohne Migrationshintergrund sind zwar auch bei uns groß, aber trotz deutlich steigender Zuwanderung immerhin konstant geblieben", betont Rabes Sprecher Peter Albrecht in einer Analyse der Zahlen.

Eine Darstellung, die auch Bergedorfs Kreiselternratsvorsitzender Bernd Schrum (SPD) unterstreicht: "Hamburg ist zum Vorreiter einer integrativen Schulpolitik geworden. Dazu gehören Ganztagsschulen, individualisierter Unterricht und eine angepasste Lehreraus- und -fortbildung. Spürbare Früchte im Sinne eines Aufstiegs im Ländervergleich kann es aber erst in vier bis fünf Jahren geben." In Schrums Augen ist dafür aber noch weiteres grundlegendes Umdenken nötig: "Es ist längst wissenschaftlich belegt, dass der wichtigste Teil der Bildung in der Grundschule vermittelt wird. Aber ausgerechnet hier wird am schlechtesten bezahlt. Darum müssen wir Anreize schaffen, die besten Lehrer hierher und eben nicht an die Gymnasien zu ziehen."