Prozess

Neun Jahre Haft für tödliche Hammer-Attacke auf Freier

Glinde/Lübeck. Ohne sichtbare Gefühlsregung nahm der 24-jährige Henning K. gestern das Urteil des Landgerichts Lübeck entgegen: Neun Jahre Freiheitsstrafe wegen Totschlags.

Der Callboy hatte seinen 73-jährigen Freier Horst O. im Dezember 2011 in Oststeinbek durch mehrere wuchtige Schläge mit einem Zimmermannshammer getötet und anschließend erfolglos versucht, die Leiche zu verbrennen und zu vergraben. Der Tote wurde erst zwei Monate nach der Tat in einer Glinde Tiefgarage im Kofferraum seines eigenen Autos gefunden. Henning K. hatte die Leiche dort verstaut und für den Wagen einen Stellplatz gemietet, um möglichst keinen Verdacht zu erregen.

Selbst die erfahrenen Richter waren nach den Worten des Vorsitzenden Christian Singelmann schockiert über die grausigen Umstände der Tat. "Wir konnten auch kein einleuchtendes Motiv entdecken. Der Angeklagte war zwar geständig, seine Aussagen aber ein einziges Lügengebäude", so der Richter.

Nach dem Gutachten des psychiatrischen Sachverständigen habe das Gericht keine Anhaltspunkte für eine verminderte Schuldfähigkeit des Täters finden können. Kurzzeitig habe man auch eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht gezogen, das Motiv Habgier sei aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen gewesen.

Der gesetzliche Strafrahmen für "normalen Totschlag" liegt zwischen fünf und fünfzehn Jahren Freiheitsstrafe, Henning K. kam mit einer Strafe im mittleren Bereich davon. Seite 15