Klage

Kündigung kann Kleines Theater teuer zu stehen kommen

Geesthacht. Acht Jahre lang leitete Thorsten Kremer das Foyer des Kleinen Theaters Schillerstraße (KTS). Er kümmerte sich um Kartenverkauf, Garderobe und die Gastronomie. Im Mai musste Kremer nach internen Querelen gehen (wir berichteten).

Doch der Abgang könnte für das Theater ein teures Nachspiel haben. Kremer, der freiberuflich beschäftigt war, klagt vor dem Arbeitsgericht in Lübeck gegen das KTS - bekommt er Recht, müsste das KTS Sozialleistungen für Jahre nachzahlen. Ein Gütetermin vor Gericht scheiterte.

Klären muss das Gericht, ob der Vorderhausleiter über Jahre scheinselbstständig beschäftigt war. Denn während KTS-Leiter Ulrich Jacobi den langjährigen Mitarbeiter als einen selbstständigen Gastronomen im Haus sah, behauptet Kremer, die rechte Hand von Jacobi gewesen zu sein. "Ich habe monatlich bis zu 200 Stunden für das KTS gearbeitet. Das war eine arbeitnehmerähnliche Anstellung, ich hatte gar keine Zeit, anderen Tätigkeiten nachzugehen", sagt Kremer. Einen festen Vertrag habe man ihm von Anfang an in Aussicht gestellt, doch Kremer wurde nach eigenen Angaben immer wieder vertröstet. "Zudem hat mir Ulrich Jacobi untersagt, mit meiner eigenen Theaterproduktion auf Tournee zu gehen", sagt Kremer. Schwere Vorwürfe, die schwere Konsequenzen haben könnten. "Wenn das Gericht die Scheinselbstständigkeit feststellt, dann müsste das KTS bis zu 120 000 Euro an Sozialabgaben und unberechtigt abgezogener Umsatzsteuer zurückzahlen. Das bedeutet den finanziellen Kollaps für das Theater", so Kremer.

Bürgermeister Volker Manow, der gleichzeitig Vorsitzender der KTS-Gesellschafterversammlung ist, und Ulrich Jacobi weisen die Vorwürfe strikt zurück. "Die Angelegenheit ist ganz einfach: Herr Kremer war bei uns freiberuflich beschäftigt und das im gegenseitigen Einvernehmen. Und kaufmännische Befugnisse hatte Herr Kremer nie", sagt Jacobi. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass es sich um eine selbstständige Tätigkeit gehandelt hat." Beschränkungen für andere berufliche Tätigkeiten - wie Gastspiele oder Moderationen - habe es nie gegeben. "Wir haben auch nichts zu verbergen. Das KTS ist transparent", betont Jacobi.

Das sieht Kremer anders. "Ich kann nicht begreifen, dass ein öffentlicher Arbeitgeber einen Mitarbeiter scheinselbstständig beschäftigt. Und ich kann nicht verstehen, dass das der Gesellschafterversammlung all die Jahre nicht aufgefallen ist", so Kremer. Ihm selbst und seinen Kollegen seien dagegen die Hände gebunden gewesen. "Im KTS gilt das ungeschriebene Gesetz, dass niemand außer Ulrich Jacobi mit der Gesellschafterversammlung oder dem Bürgermeister reden darf", betont Kremer. "Dabei habe ich mir nie etwas zu Schulden kommen lassen. Mir ging es immer nur um das Theater."

Verhandelt wird über die Klage Mitte Dezember. Sollte das Gericht tatsächlich von einer Scheinselbstständigkeit ausgehen und verfügen, dass das KTS Sozialabgaben nachzahlen muss, würde das Theater in eine finanzielle Schieflage geraten - denn aus dem ohnehin knappen Budget des Theaters könnten die Kosten kaum begleichen werden. "Insolvent gehen kann das Theater aber nicht, weil immer die Stadt als Gesellschafter einspringen würde", sagt Manow.