Akw-Rückbau

Vattenfall gibt sich planlos - Bürger sind empört

Geesthacht. Viele Fragen - und doch keine konkreten Antworten. Wie es mit dem Kernkraftwerk Krümmel vor den Toren Geesthachts weitergeht, ist auch nach der Bürgerinformation im Ratssaal weiterhin offen. Die Vertreter des Energiekonzerns Vattenfall ließen sich trotz zahlreicher Nachfragen keinen Zeitplan für die weitere Zukunftsplanung entlocken.

Nicht einmal, ob sie einen zügigen Rückbau wollen, oder ob sie die Atom-Anlage auf Jahrzehnte einfach stehen lassen, erklärten sie vor den darüber maßlos enttäuschten 200 Gästen. Der Ratssaal war so gut besucht, dass die Gäste auf den Fensterbänken saßen und in der offenen Saaltür standen.

"Das Atomgesetz in seiner aktuell gültigen Fassung ist defizitär und lückenhaft, und die Pflichten der Betreiber der Atomkraftwerke müssen dringend konkretisiert werden", forderte Dr. Wolfgang Cloosters, Leiter der Atomaufsicht in Kiel. Seit der im August 2011 gefallenen Entscheidung des Bundestags gelten Atomkraftwerke in Deutschland als Auslaufmodelle. Acht Meiler, darunter die in Krümmel und Brunsbüttel (beide unter der Führung von Vattenfall), wurden 2011 sofort vom Netz genommen. Und während die drei anderen großen Energiekonzerne - E.on, RWE und EnBW - bereits erklärt haben, ihre sechs abgeschalteten Anlagen zurückzubauen, sieht Vattenfall sich dazu noch immer nicht im Stande.

Man versuche, die Vor- und Nachteile des Rückbaus mit denen des "sicheren Einschluss" abzuwägen, berichteten Kraftwerksleiter Torsten Fricke und sein Kollege Ingo Neuhaus, der die Abteilung für Rückbauplanung bei Vattenfall leitet. "Da geht es um viel Geld", sagte Neuhaus und erbat sich Verständnis für das Vorgehen des Konzerns, die wirtschaftlichen Interessen in den Vordergrund zu stellen. "Vattenfall ist längst verpflichtet, eine Planung für die Stilllegung vorzulegen, denn die muss laut Gesetz schon parallel zum Betrieb entwickelt werden", sagte Cloosters. Doch andererseits erlaube das Atomgesetz Vattenfall einen Stillstand der Atomanlage - ohne konkret sagen zu müssen, wie es weitergehen solle.

Die Gäste der Informationsveranstaltung forderten die Vattenfall-Vertreter mehrfach auf, endlich konkret zu werden. Doch die ließen sich keine konkreten Aussagen entlocken. Stattdessen verwiesen sie auf die fehlenden Castorbehälter für den Atommüll, die noch immer nicht fertigen oder überhaupt gefundenen Endlagerstätten für schwach- und mittelradioaktiven sowie stark strahlenden Atommüll. Außerdem, so Neuhaus, erhoffe man sich Synergieeffekte für Krümmel, wenn man zunächst für das AKW Brunsbüttel eine Planung anstelle. Dort sei man einfach schon weiter, so Neuhaus.

Nach drei Stunden verließen die Gäste das Rathaus mit unbefriedigenden Eindrücken. "Es ist ein komplexes Thema", sagte Moderator Jürgen Vollbrandt. S. 25