Arbeitsmarkt

Jobwunder? Jede fünfte freie Stelle ist ein 400-Euro-Job

Bergedorf. Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt kommt bundesweit ins Stocken: Inzwischen beträgt der Unterschied zum Vorjahr nur noch rund 40 000 Erwerbslose, die Quote stagniert bei 6,8 Prozent.

Im Bezirk Bergedorf ist sie über den August dagegen um weitere 0,3 Punkte auf jetzt 7,8 Prozent gesunken, sind jetzt 5131 Menschen erwerbslos gemeldet. Allerdings sind diese Zahlen, wie so häufig, nur die halbe Wahrheit. Unverhältnismäßig stark steigt die Zahl von 400-Euro-Stellen - ihr Anteil an gemeldeten Arbeitsplätzen beträgt inzwischen rund 20 Prozent.

Dauerarbeitslosigkeit, Dumpinglöhne und geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sind verantwortlich, dass immer mehr Menschen nur noch mit Hartz IV über die Runden kommen. Eine wachsende Zahl Rentner muss weiter arbeiten oder benötigt staatliche Unterstützung. Zugleich wird über Mindestlöhne gestritten. Und in der Koalition herrscht aktuell Krach um den Vorstoß von Ursula von der Leyen (CDU), mit einer Zuschussrente wachsender Altersarmut bei Menschen zu begegnen, die Jahrzehnte gearbeitet haben, aber dennoch nur Rente auf oder unter Hartz-IV-Niveau erhalten.

In Bergedorf ist zwar die Erwerbslosigkeit im August gesunken, zugleich jedoch auch die Zahl gemeldeter Stellen. Gegenüber Juli beträgt das Minus 17, zum Vorjahr ist die Lücke zehnmal größer: 176. Die Nachfrage aus Handwerk und Logistik ist rückläufig.

Weiter großen Bedarf haben Dienstleister und der Gartenbau, erläutert Ulf Fock, Leiter der Arbeitsagentur Bergedorf. In Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufen fehlen qualifizierte Kräfte. Mitarbeiter suchen auch Einzelhandel und Gastronomie, vielfach aber unter anderen Vorzeichen. Fock: "Auffällig ist die starke Nachfrage nach 400-Euro-Kräften in Teilen der Gastronomie und im Einzelhandel, besonders von Discountern."

Gewerkschafter kritisieren die Umwandlung vieler sozialversicherungspflichtiger Vollzeitstellen in Teilzeit- oder 400-Euro-Jobs. Kosteneinsparungen sind nur ein Grund. Fock: "Viele Frauen können nur zu festen Zeiten arbeiten, etwa vormittags, wenn die Kinder in der Schule sind." Viele Firmen dagegen wollen ihre Mitarbeiter möglichst flexibel einsetzen, etwa einen Tag vormittags an der Kasse, den nächsten abends, um Regale aufzufüllen, dann in der Leergutannahme. Damit Arbeitssuchende auch bessere Jobs finden, bietet die Agentur Qualifizierung an. S. 11