Verbraucherschützer

Inkassobüro treibt Praxisgebühren ein

Kiel/Hamburg (ger). Tausende Kassenpatienten erhalten dieser Tage Post von einer Stuttgarter Anwaltskanzlei: Im Auftrag der kassenärztlichen Vereinigungen wollen die Anwälte nicht gezahlte Praxisgebühren eintreiben.

Die Versicherten werden aufgefordert, umgehend zehn Euro nachzuzahlen. "Wir haben viele Anfragen von verunsicherten Patienten", sagt Rechtsanwältin Joanna Schmerder von der unabhängigen Patientenberatung in Kiel.

Obwohl das Schreiben wenig seriös aussieht, ist es keine neue Abzock-Masche. Allerdings: Viele Forderungen beziehen sich auf angeblich nicht gezahlte Praxisgebühren aus dem Jahr 2009 - und sind für Versicherte kaum noch nachvollziehbar. Dabei sollten die Mahnungen genau geprüft werden, denn offenbar ist die Fehlerquote hoch: "Wir konnten feststellen, dass in vielen Fällen die Patienten in der Arztpraxis angekündigt hatten, die Gebühr beim nächsten Besuch zu entrichten. Als sie das dann tatsächlich taten, wurde häufig vergessen, im Computer ein Häkchen herauszunehmen", so Schmerder.

Kaum jemand kann sich wirklich daran erinnern, ob er vor drei Jahren die Gebühr entrichtet hat oder nicht. "Wir empfehlen deshalb dringend, die Quittungen aus der Arztpraxis aufzubewahren", sagt Schmerder. Wer keine Quittung mehr besitzt, aber trotzdem zu Unrecht Post vom Inkasso-Anwalt erhalten hat, sollte Kontakt zu seiner Arztpraxis suchen. "Dort müsste man auch ein Interesse haben, die Angelegenheit zu klären", betont die Anwältin.

Sollten die Forderungen begründet sein, bezeichnet die Verbraucherzentrale Hamburg die Mahnung zwar als legal, aber als völlig unnötig. So stellen die Kassen nur die offenen zehn Euro in Rechnung - denn Säumnis- oder Mahngebühren dürfen sie nicht verlangen. Dabei verursacht eine Mahnung über die Anwaltskanzlei Kosten von etwa 150 Euro, teilt die Verbraucherzentrale mit.

Die Hamburger Verbraucherschützer wollen sich jetzt verstärkt für eine Abschaffung der Praxisgebühr einsetzen. Um den Druck zu erhöhen fordern sie alle Patienten auf, die dieser Tage ein Mahnschreiben erhalten haben, sich bei ihnen per E-Mail an patientenschutz@vzhh.de zu melden.