Sammelunterkunft

Pavillondorf wächst - und bleibt noch Jahre bestehen

Bergedorf. Zähneknirschend hat Bergedorfs Politik 2011 dem Ausbau des Pavillondorfs am Curslacker Neuen Deich um 100 Plätze zugestimmt. In drei Wochen soll der Aufbau der neuen Gebäude beginnen - ob 2015, wie im Gegenzug gefordert, diese Gemeinschaftsunterkunft dann tatsächlich abgebaut wird, ist höchst unwahrscheinlich.

Dieses Junktim der Bergedorfer Politik geht gleich mehrfach ins Leere: Hamburg folgt Forderungen nicht, Flüchtlinge entsprechend der Einwohnerzahl zuzuweisen, auch nicht denen, in öffentlichen Unterkünften nur Obdachlose und wohnungslose Familien aus den jeweiligen Bezirken unterzubringen. Ersatz für eine große Unterkunft mit dann gut 570 Plätzen ist zudem schwierig zu schaffen.

Von 500 neuen Unterbringungsplätzen in Hamburg sollen allein 100 im bevölkerungsärmsten Bezirk entstehen, 400 weitere verteilen sich auf Harburg (130), Wandsbek (120), Nord (100), Altona (50). Mit 1105 weist Bergedorf schon heute mehr Plätze auf als die erheblich größeren Bezirke Harburg (524) und Eimsbüttel (531), bietet im Verhältnis zur Einwohnerschaft rund doppelt so vielen Obdachlosen und Flüchtlingen eine Bleibe als die anderen Bezirke.

"In drei Wochen startet der Bau der neuen Unterkünfte am Curslacker Neuen Deich, im November beginnen wir mit der Belegung", sagt Uwe Holtermann, zuständiger Regionalleiter bei "Fördern & Wohnen". Flüchtlinge werden "je nach freien Plätzen auf die Bezirke verteilt", bestätigt Holtermann.

"Man muss unangenehme Wahrheiten aussprechen. Wir werden die Unterkunft am Curslacker Neuen Deich auf absehbare Zeit nicht komplett schließen können", bestätigt Bergedorfs Baudezernent Uwe Czaplenski. Abgesehen vom Gesamtbedarf: "Für Menschen ohne Aufenthaltsstatus ist eine zentrale Unterbringung vorgeschrieben", eine Verteilung auf viele einzelne Wohnungen nicht möglich.

Auf Beschluss der Politik wurde untersucht, wo mit dem neuen Wohnungsbauprogramm Unterkünfte geschaffen werden können. In der großen Mehrzahl ist dies nach Erhebung der Verwaltung nicht möglich, tatsächlich kann die Stadt Privateigentümer nicht dazu zwingen. Denkbar wären demnach nur vier Flächen in Bergedorf-West und Lohbrügge.

"Da müssen sich die Verantwortlichen noch mal auf den Weg machen", verlangt Nikolai von Podlewski (GAL). GAL- wie Links-Politiker bemängeln die schlechte Erreichbarkeit des Pavillondorfs und die Wohnumstände, sie stünden einer erfolgreichen Integration entgegen. Wenn dennoch an diesem Standort festgehalten werde, müsse viel Geld fließen, um die alten Schwedenhäuser zu sanieren, sind Politiker von GAL und SPD einig. "Betrachtet man unseren Beschluss, dass 2015 Schluss sein soll, ist diese Entwicklung kurios", sagt GAL-Fraktionschefin Liesing Lühr.

Die CDU will sich damit nicht abfinden, fordert weiterhin die Auflösung der Sammelunterkunft, bestätigt Fraktionsvize Jörg Froh. "Wir haben gleich gesagt, dass es schwierig wird, nach dem Aus für die Unterkünfte Hirtenland und Rothenhauschaussee auch Bergedorfs letztes Pavillondorf zu schließen", sagt dagegen Peter Gabriel (SPD). Vor weiteren politischen Entscheidungen müsse die Sozialbehörde erklären, wie sie mit dem Bergedorfer Beschluss umgehen wolle. Der Stadtplanungsausschuss-Vorsitzende ist sauer: "Diese Mitteilung sollte schon vor zwei Wochen vorliegen."