Smart Meter

Verbraucherschützer warnen vor intelligenten Stromzählern

Bergedorf. Wer sich derzeit über Strom- oder Heizungsableser ärgert, die zu unpassenden Zeiten in die Wohnung wollen, darf sich freuen: Neue Technik soll derartige Besuche überflüssig machen.

Intelligente Stromzähler ("Smart Meter") sollen nicht nur online abgerufen werden, mit ihnen kann der Stromverbrauch jedes einzelnen Gerätes im Haushalt genau erfasst und angeschlossene Geräte sogar per Handy gesteuert werden. Doch das neue Energiewirtschaftsgesetz, das vieles regeln soll, stößt bei Daten- und Verbraucherschützern auf Vorbehalte.

In Geesthacht, im Neubaugebiet Finkenweg-Ost, läuft seit drei Jahren ein Pilotprojekt mit den neuen Zählern (wir berichteten). Verbraucherschützer schlagen Alarm. Schließlich handelt es sich um hochsensible Daten. Wer wann welches Gerät einschaltet - daran lassen sich Gewohnheiten ablesen, mit denen etwa die Werbewirtschaft gute Geschäfte machen könnte. Dass Energieanbieter das Recht erhalten sollen, zu Spitzenzeiten in Haushalten sogar die Stromfresser abzuschalten, sei derzeit noch viel zu schwammig formuliert, mahnte kürzlich NDR-Info. Das Szenario: Wenn Stromnetze wegen Überlastung zusammen zu brechen drohen, dürften Versorger dann alle Herde, Kühlschränke oder Heizungen in ihrer Region ausschalten?

Daten und Verbräuche sollten in der jeweiligen Wohnung zunächst gebündelt werden, bevor sie an die Versorger weiter gegeben werden, fordert Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter Thilo Weichert: "Die Energieversorger dürfen nicht über die Verbräuche der einzelnen Geräte Informationen erhalten." Gefahren sieht er auch in der Steuerung elektrischer Geräte durch Smartphones. "Es gibt ja jetzt schon bestimmte Applikationen, die ohne Wissen des Kunden sensible Daten ausspähen." Künftig könnten dann Apps zur Optimierung des heimischen Energieverbrauchs dafür sorgen, dass beispielsweise ein TV-Sender erfährt, wann wir abends den Fernseher einschalten.

Die Sprecherin des Bundesdatenschutzbeauftragten warnt davor, dass intelligente Energienetze dazu genutzt werden könnten, die Verbraucher auszuspähen. Und vor Hackerangriffen: Gelangten diese ins Netz, könnten sie etwa angeschlossenen Kühltruhen oder alle Verbraucher abschalten. Bevor die Haushalte mit neuen, intelligenten Geräten ausgestattet werden, sei noch einiges zu tun.