Abstimmung

Bergedorfs Rathaus bald wieder "Klinker-Rot"?

Bergedorf. Als Bergedorfs Rathaus 1927 eingeweiht wurde, war es ein auffälliges Unikat. Und das ist es bis heute geblieben. Kein anderes öffentliches Gebäude aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in ganz Hamburg hat eine Putz-Fassade. Vielmehr bestimmt rot geklinkerte Backstein-Architektur ihr Äußeres.

Um dem Geschmack der Zeit trotzdem zu entsprechen, wagten Bergedorfs Rathaus-Baumeister damals ein Experiment: Sie bekannten sich zur Putz-Fassade der Meßtorffschen Villa, aus der das heutige Rathaus entstand, versahen es aber mit einem durchgefärbten Putz in "Klinker-Rot".

Doch zum Entsetzen der Denkmalschützer ist davon heute nichts mehr zu sehen. Erst erhielt der Bau in den 1960er-Jahren eine neue, gut drei Zentimeter starke Schicht aus grauem Putz. Und als die 2002 endlich einen Anstrich erhalten sollte, entschied sich die Bezirksversammlung für leuchtendes Ocker. Die damals regierende CDU/Schill-Koalition wollte nicht in einem roten Rathaus sitzen.

"Doch das ist Geschichte. Heute hat Bergedorf die historische Chance, die Fehler von damals zu korrigieren", sagt Katrin Meyer, im Denkmalschutzamt für den Bezirk zuständig. Die Kunsthistorikerin hat die seit Wochen laufenden Sanierungsarbeiten an der Außenfassade im Blick. Sie sind das Ergebnis eines jahrelangen Rechtsstreits der städtischen Sprinkenhof AG als Eigentümerin des Gebäudes mit jener Malerfirma, die 2002 das Ocker auf die Fassade brachte. Denn die Farbe blätterte immer wieder ab, wollte einfach nicht auf dem Rathaus halten. Und seit sie nun auf der Parkseite des Rathauses abgebeizt wurde, blitzt plötzlich wieder der tief rote Ursprungsputz von 1927 durch.

Für Katrin Meyer und Restaurator Norbert Kirchhoff Anlass genug, wieder die alte Farbe ins Spiel zu bringen. Allerdings sollen dafür nicht Gesetze bewegt werden, sondern die Bergedorfer das letzte Wort haben. Mit der Sprinkenhof AG und auch dem Bezirksamt als Mieter wurde bereits Einigkeit darüber erzielt, dass die Bürger entscheiden dürfen. "Wir wollen, dass dieses Rathaus ein Wahrzeichen nach dem Geschmack der Bergedorfer wird", sagt Katrin Meyer. "Hoffentlich eines in 'Klinker-Rot'. Aber wenn gewünscht auch eines in Grau oder selbst in Ocker."

Wer sich beteiligen will, stimmt auf unserer Homepage ab unter www.bergedorfer-zeitung.de/rat haus . Zudem fließen E-Mails an bergedorf@bergedorfer-zeitung.de in die Abstimmung ein, möglichst mit Begründung. Gleiches gilt für Post an Bergedorfer Zeitung, Curslacker Neuer Deich 50, 21029 Hamburg, Stichwort "Rathaus". Die Abstimmung läuft bis 30. Juni.