Facebook-Party

Paul lädt 3500 Schüler zur Sause am See ein

Allermöhe. "Ladet noch mehr Leute ein, damit es voll die Eskalations-Party wird", wünscht sich Lasse, und Henry fragt: "Wer bringt 'ne dicke Musikanlage mit?" Seit dem 28. Mai laufen im Internet-Netzwerk Facebook die Vorbereitungen für eine große Sause zum Beginn der Schulferien am See Hinterm Horn.

Ein Unbekannter unter dem Pseudonym "Paul Hund" hat die Veranstaltung gepostet: "Das wird die Party des Sommers!" Bis gestern Abend waren fast 3500 Leute eingeladen, mehr als 650 haben fest zugesagt. Die Facebookparty soll heute ab 20 Uhr steigen.

Beim Bezirksamt liegt keine Anmeldung für eine Großveranstaltung am See vor, der Polizei macht die Facebook-Ankündigung Sorge. "Ich habe Verstärkung bei der Landesbereitschaft angefordert", bestätigt Ansgar Hagen, stellvertretender Leiter des Polizeikommissariats Bergedorf: "Wir werden von Anfang an uniformiert Präsenz zeigen und jegliche Eskalation schon im Keim ersticken."

Hagen hat eine unangenehme Erinnerung an eine ganz ähnliche Party genau vor einem Jahr. Damals hatte ein "Roy Adams" über das soziale Netzwerk zur Abiparty eingeladen. 800 Schüler kamen mit unzähligen Bierkisten und jeder Menge harten Alkoholika an den Strand am See. Gegen Mitternacht eskalierte die Feier, es kam zu einer Massenschlägerei unter etwa 60 Gästen. Die Polizei musste 36 Streifenwagen aus dem gesamten Stadtgebiet zusammenziehen, um die Lage in Griff zu kriegen. Fünf Jugendliche landeten in der Zelle, der Strand glich einer Müllhalde mit Scherben, Essensresten und Bierkisten. Die Stadtreinigung musste in der Nacht zum kostspieligen Sondereinsatz anrücken.

"Auch andere Facebookpartys haben gezeigt, wie schnell die Stimmung kippen kann", erklärt Polizeirat Ansgar Hagen: "Für uns ist das eine unklare Lage, da auch wir überhaupt nicht einschätzen können, wie viele am Ende kommen." Die Ermittler versuchen nun herauszufinden, wer hinter dem Pseudonym "Paul Hund" steckt, der sich im Internet selbst als "Veranstalter" outet. "Wer zu so einem Massenauflauf aufruft, muss auch die Folgen tragen", warnt Hagen. Dazu gehören die Kosten für die Müllabfuhr und möglicherweise auch die des Polizeieinsatzes. "Da können schnell mehrere 10 000 Euro Forderungen entstehen."

Die Partyjünger haben unterdessen ganz andere Sorgen: "Wie kommt man aus Geesthacht mit Bus und Bahn da hin?", fragt Melanie auf Facebook. Und Björn will "Kohle für Sprit" sammeln - nicht zum Trinken, sondern um den Stromgenerator für die Discoanlage zu betanken. Auch "Roy Adams", der Veranstalter aus dem letzten Jahr, meldet sich zu Wort: "Ich mag Euer Engagement". Von der Polizei wollen sie sich nicht am Feiern hindern lassen. "Fuck the police", meint Marten, und Henry ergänzt: "Wie wollen die Bullen denn 1000 Leute aufhalten?"