Wen trifft es?

Sparvorgabe: Statt Jugendclubs zittern jetzt die Spielhäuser

Bergedorf. Spielhäuser und Jugendclubs in Bergedorf müssen ihre Existenzsorgen mit in die Sommerferien nehmen.

Entgegen der Ankündigung des Bezirksamts wird statt am 5. Juni nun doch erst Ende August entschieden, welches Haus wegen der 150 000-Euro-Einsparvorgabe des SPD-Senats zum Jahresende schließen muss. "Aber eine Einrichtung wird dicht machen. Da führt kein Weg dran vorbei", bestätigt Jugendhilfeausschuss-Chef Paul Kleszcz (SPD).

Hinter der Verzögerung steht die grundlegende Umstrukturierung der Hamburger Kinder- und Jugendförderung, wie sie die SPD in der nächsten Bürgerschaftssitzung am 6./7. Juni mit ihrer Mehrheit für den Haushalt 2013/14 anschieben will. Ein Bergedorfer Beschluss, der bisher das Aus für einen Jugendclub bedeutet hätte, passt nun nicht mehr ins Bild. Denn der Antrag der Sozialdemokraten sieht vor, die Kürzungen gezielt im Bereich der Kinder vorzunehmen. Schließlich seien sie durch den laufenden Umbau der Grundschulen zur Ganztagsbetreuung bis 16 Uhr gut versorgt.

Also gilt jetzt als wahrscheinlich, dass ein Haus der Kinderbetreuung, vielleicht auch das Kinder- und Familienhilfezentrum wird schließen müssen. "Durch die Grundschulen wird die Kinderhilfe ab August 2013 deutlich ausgebaut. Da können die Einsparungen in der Jugendhilfe nicht zu Lasten der Jugendlichen gehen", sagt die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Peri Arndt. Ihre Formel: "Je ferner ein Angebot der Kinderförderung ist, umso unwahrscheinlicher ist seine Schließung."

Wer das Opfer sein wird, soll nun in der Jugendhilfeausschuss-Sitzung am 28. August entschieden werden, bevor die Bezirksversammlung sich mit dem Thema Ende September abschließend befasst. In der kommenden Ausschuss-Sitzung am 5. Juni (17.30 Uhr, Lichtwarkhaus, Holzhude 1) "werden wir das Thema natürlich diskutieren, aber keine Entscheidung treffen", sagt Paul Kleszcz.

Dann dürften auch die genauen Planungen der Hamburger SPD-Fraktion auf den Tisch kommen. Sie sehen aus Bergedorfer Sicht drei wesentliche Veränderungen vor: Die rund 2,5 Millionen Euro große Rahmenzuweisung soll nicht mehr gemäß der Vorgabe exakt für Kinder- und Jugendtreffs (1,5 Millionen Euro), Familienförderung (460 000 Euro), übergreifende Angebote (330 000 Euro) und Suchtprävention (70 000 Euro) ausgegeben, sondern frei umgeschichtet werden können. Um das sinnvoll zu gestalten, soll zudem die Jugendhilfeplanung der Bezirke mit Unterstützung der Fachbehörde vor Ort präzisiert werden. Und schließlich wird für jene Träger, die durch die Kürzungen Häuser schließen müssen, eine Tür zu den gesetzlich garantierten Hilfen zur Erziehung (HzE) für sozial schwache Familien aufgestoßen: In Abstimmung mit dem Jugendamt dürfen sie ab 2013 auch in diesem Bereich tätig werden.

Damit sollen in Bergedorf auch die Folgen des verschobenen Schließungsbeschlusses abgemildert werden. Denn in der betroffenen Einrichtung wird der zum Jahreswechsel greifende politische Beschluss jetzt erst ins Haus flattern, wenn die halbjährlichen Kündigungsfristen für die Mitarbeiter längst verstrichen sind. "Dann können sich die Träger einerseits um Projekte im Sektor der Hilfen zur Erziehung bewerben", sagt Paul Kleszcz. "Andererseits ist es möglich, befristet Hilfen aus dem zusätzlich geplanten Umsteuerungsfonds zu beziehen. Das betroffene Haus kann also auch über den Jahreswechsel hinaus bestehen. Maximal bis zum Juli 2013."

Während die Kinderhäuser und Jugendtreffs weiter abwarten müssen, bereiten sich die Grundschulen bereits auf die neue Zeitrechnung ab August 2013 vor. Für Schüler und Eltern bedeutet das erhebliche Veränderungen.

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