Eröffnet

In der neuen Radstation sind noch viele Plätze frei

Bergedorf. Für Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast begann der gestrige Tag mit einem Aha-Erlebnis. Mit kaputtem Licht am Fahrrad war er zum Termin am Bergedorfer Bahnhof geradelt - um sich schon wenige Minuten später über eine reparierte Leuchte zu freuen.

Sein Glück, dass gestern die neue Radstation am ZOB eröffnet wurde: Künftig können alle Bergedorfer hier unter der ZOB-Rampe ihr Fahrrad sicher parken, es in der dazugehörigen Werkstatt reparieren lassen oder im Shop Zubehör kaufen. "Ich kann nur sagen: Es funktioniert", lobte Dornquast, der sich auch sofort ein Parkplatz-Abonnement sicherte.

500 Fahrräder haben in dem eigentlich recht übersichtlichen Fahrrad-Parkhaus Platz - ein Bügelsystem mit Hochstellfunktion macht's möglich. Noch sind diese Reihen allerdings ziemlich leer. Erst vor gut einer Woche war der Probebetrieb gestartet; 40 Interessenten hatten sich dafür angemeldet. Den vierwöchigen, kostenlosen Testlauf hat bisher jedoch nur etwa ein Drittel der Interessenten in Anspruch genommen. Planer Stefan Clotz von der HAB Service Gesellschaft rechnet jetzt nach der offiziellen Eröffnung aber mit deutlich "mehr Betrieb".

Wer sein Fahrrad in der gesicherten und videoüberwachten Radstation parken möchte, zahlt dafür einen Euro pro Tag, 17 Euro pro Monat, 80 Euro pro Saison oder 120 Euro pro Jahr - die ersten 500 Nutzer parken ein Jahr lang allerdings für nur 80 Euro (Info: www.radstation-bergedorf.de ). Ob das vielen Radlern dennoch zu teuer ist, muss sich zeigen. "Es hat ja immer wieder Kritik gegeben, dass die Radstation kostenpflichtig ist, ein P+R-Parkplatz aber nicht", stellte Andreas Rieckhof, Staatsrat der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, gestern bei der Eröffnung fest. "Allerdings wird dabei immer vergessen, dass hier im Gegensatz zum P+R-Haus Arbeitsplätze geschaffen werden." Sechs Angestellte gibt es in der Radstation bereits, darunter Langzeitarbeitslose und Schwerbehinderte. Sie alle haben hier einen regulären Job gefunden, werden nach Tarif bezahlt.

Damit sich der Betrieb der ersten Hamburger Radstation also rechnet, müssen täglich bis zu 30 Reparaturaufträge in der Werkstatt eingehen, auch das Parkhaus muss weitgehend ausgebucht sein. Ein ehrgeiziges Ziel. Die Bürgerschaftsabgeordnete Peri Arndt (SPD) war gestern die erste, die sich ein Jahres-Parkplatz-Abo sicherte: "Ich bin es leid, hier am Bahnhof einen Fahrrad-Parkplatz zu suchen", sagte sie. Die Situation sei zu jeder Tageszeit chaotisch.

Ihrem Beispiel wollen viele andere folgen. "Ich glaube schon, dass ich die Radstation bald nutzen werde", sagt Patrick Strieland (28) aus Bergedorf, Trainer in der Erwachsenenbildung. "Im Winter war ja im CCB-Parkhaus genug Platz für Fahrräder, aber jetzt wird es hier langsam eng. Ein Euro am Tag oder 80 im Jahr, das lässt sich verschmerzen." Doch manch einer empfindet das anders - so wie Timo Krause (28), Student aus Bergedorf: "Der tägliche Euro summiert sich doch. Mit einem neuen Fahrrad würde ich den sicherlich investieren." Für den alten Klapper-Drahtesel genüge aber auch ein unbewachter Gratis-Platz.

Gert Kekstadt, Geschäftsführer des Betreibers HAB Service Gesellschaft, setzt auf die Solidarität der Bergedorfer: "Die Radfahrer müssen das Angebot auch annehmen. Wir Bergedorfer haben es in der Hand, dass diese Radstation erfolgreich wird."