Bürokratie

Strittiges Prestige-Objekt verzögert sich weiter

Geesthacht. Seit vier Wochen ist klar, wer die umstrittene Sanierung der Elbstraße realisieren soll - doch der lukrative Auftrag ist noch immer nicht erteilt.

Nach Informationen unserer Zeitung hatte im Zug der Ausschreibung eine Baufirma aus Geesthacht das günstigste Angebot abgegeben. Das wurde bei der Submission, der Bekanntgabe des Ausschreibungsergebnisses, deutlich. Doch während die Firma mit Arbeitern, Maschinen und Material in den Startlöchern steht, sorgt wohl eine übermäßige Bürokratie für eine Verzögerung des Beginns der Bauarbeiten in Geesthachts ältester Straße.

"Es handelt sich bei diesem Projekt um eine Maßnahme im Städtebauförderungsprogramm. Die Gelder stehen im Förderprogramm des Landes Schleswig-Holstein zur Verfügung, aber das Verfahren sieht vor, dass die Stadt Geesthacht eine baufachliche Prüfung durchführt", erklärt Torben Heuer, der Sprecher der Stadtverwaltung. "Dieser Prüfung muss das Land Schleswig-Holstein zustimmen. In dieser Phase befinden wir uns derzeit. Solange die Zustimmung noch nicht erfolgt ist, kann eine Auftragsvergabe nicht erfolgen", sagt er.

Im Klartext: Die Sanierung der Straße wurde jahrelang heftig zwischen Anwohnern, Politikern, Planern und Verwaltung diskutiert, immer neue Pläne wurden erstellt - und noch immer ist nicht alles abschließend geprüft für dieses strittige Prestigeprojekt.

Vermutlich 1,1 Millionen Euro - die genaue Summe kann erst nach der öffentlichen Bekanntgabe des Ausschreibungsergebnisses beziffert werden - sollen während der Sanierung an der Elbstraße verbaut werden. Wieviel Geld davon die Anwohner als so genannten Ausbaubeitrag zahlen müssen, ist solange ebenfalls unklar. Auf die 17 Anwohner werden wohl Kosten von rund 400 000 Euro zukommen. Mehr als 7,50 Euro je Quadratmeter ihrer Grundstücke sollten es als Anwohneranteil für die Maßnahme nicht werden, hatte Bürgermeister Volker Manow im Juni 2011 öffentlich gesagt. "Es geht nicht, dass wir hinterher kommen und sagen, dass es für die Anwohner teurer wird", so Manow damals in einer Ausschusssitzung. Beim letzten endgültigen Beschluss der Ratsversammlung im März 2012 wollte sich die Politik nicht mehr zu diesen Kosten festlegen. Das dürfe man nicht, so das Argument gegenüber den Bürgern.

Die Anwohner, zusammengeschlossen in der Initiative Geesthacht 21, kündigten derweil an, die Bauarbeiten - vor allem entlang der historischen Kirchenhofmauer - kritisch begleiten zu wollen. Mit der in Aussicht stehenden Vergabe des Bauauftrags an eine Geesthachter Tiefbaufirma haben sie allerdings einen Ansprechpartner direkt vor Ort. Anders als vor dem Krügerschen Haus, dem Kleinen Theater, der Bergedorfer Straße oder an anderen prominenten Stellen, wo auswärtige Baufirmen die Situation nicht in den Griff bekamen. In einem Teilstück der Elbstraße haben unterdessen im Auftrag der Stadtwerke bereits Leitungsarbeiten begonnen.

Bei der letzten Sanierungsmaßnahme des Projekts "Rund um St. Salvatoris" hatte eine Trödel-Baustelle die Anlieger im südlichen Abschnitt der Bergedorfer Straße beinahe den letzten Nerv geraubt. Im November 2010 hatte zum geplanten Baustart "überraschend" ein Wintereinbruch die Arbeiten verzögert, als es dann im Januar 2011 tatsächlich losgehen sollte, hatten die Arbeiter kein Material. Bis September zog sich die Maßnahme dann hin. Das Ergebnis halten viele Gegner der Sanierung für enttäuschend.