Zwangsarbeiter

Bergedorf setzt ein Mahnmal für tausendfaches Leid

Bergedorf. Sie waren fast noch Kinder, als sie nach Deutschland verschleppt wurden: Zur Zwangsarbeit lieferten die Schergen der Nazi-Diktatur spätestens seit 1942 Tausende junge Menschen, vornehmlich Frauen, an Bergedorfs Fabriken.

Die oft kaum 14-Jährigen gehörten zu den 13 Millionen Verschleppten, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, die in Hitlers Kriegsindustrie den Front-Nachschub produzieren mussten.

"Auf dem Gebiet des heutigen Bezirks Bergedorf waren in fast allen Betrieben, die mehr als 30 bis 40 Menschen beschäftigten, Zwangsarbeiter eingesetzt", schreibt Ex-Museumschef Alfred Dreckmann in seinem Buch "Zwangsarbeit in Bergedorf - Stationen einer verlorenen Jugend" (10 Euro, Schloss). Trotzdem wurde dieses Kapitel der Bergedorfer Geschichte über viele Jahrzehnte verschwiegen. Bis heute erinnert nichts an das tausendfache Leid.

Von Sonntag an wird das anders: Um 14 Uhr enthüllen Bezirksamtsleiter Arne Dornquast, KZ-Gedenkstätten-Chef Dr. Detlef Garbe und Ilse Jacob, Tochter einer Widerstandskämpferin, Bergedorfs Mahnmal für die Zwangsarbeiter des Zweiten Weltkriegs. Die öffentliche Zeremonie auf der Promenade am CCB-Fachmarktzentrum ist ein Höhepunkt der "Woche des Gedenkens", die bereits morgen vom Zeitzeugen und Widerstandskämpfer Hans Heisel mit einem Gespräch im Jugendzentrum "Unser Haus" eröffnet wird (20 Uhr, Wentorfer Straße 26).

"In Zeiten, in denen Neonazis wieder aktiv insbesondere in den jungen Altersgruppen werben, müssen wir aufklären und öffentlich gegen Intoleranz und Fremdenfeindlichkeit Stellung beziehen", schreibt Arne Dornquast im Vorwort zum Programm der "Woche des Gedenkens". Er wird Sonntag allerdings nur ein Provisorium enthüllen. Denn nach der beherzten Auseinandersetzung über den geplanten 2,40 Meter großen Betonquader mit Sehschlitz wird das Werk des Künstlers Jan de Weryha nicht rechtzeitig fertig.

"Das Mahnmal können wir erst am 22. September einweihen", bestätigt Vize-Bezirksamtschefin Angela Braasch-Eggert. Am Sonntag gibt es deshalb nur Schautafeln vom künftigen Kunstwerk. Eine davon ist diskussionswürdig: Sie zeigt die ebenfalls erst als Entwurf vorliegende künftige Bronzeplatte zur Erklärung des Mahnmals. Unter der Überschrift "Unrecht niemals vergessen!" findet sie zwar viele Worte für das Thema Zwangsarbeit. Den Hinweis, dass das Denkmal an einer Stelle errichtet wird, wo im Zweiten Weltkrieg Verschleppte in den Hallen der Stuhlrohrfabrik Geschosshülsen herstellten, bleibt es aber schuldig. Begründung von Angela Braasch-Eggert: "Wir können nicht alle Bergedorfer Betriebe mit Zwangsarbeitern nennen. Also haben wir ganz auf Namen verzichtet."

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