Rente

Trotz Job: Millionen Frauen droht die Altersarmut

Geesthacht. Der Beginn des Rentenalters ist ein wichtiger Einschnitt: Viele freuen sich auf mehr Zeit für die Enkel, für Hobbys und Reisen. Doch wenn das Geld ausgerechnet dann knapp wird, ist die Sorge groß.

Und immer mehr Menschen sind betroffen. "Viele sind geschockt, wie wenig Rente sie bekommen", sagt Manfred Jährling, ehrenamtlicher Versichertenberater der Rentenversicherung Bund.

Besonders Frauen, die jahrelang zu Hause geblieben sind, in Teilzeit oder Minijobs gearbeitet haben, sind erschrocken, wenn ihr Rentenbetrag feststeht. "Dann heißt es 'Oh Gott, wie soll ich denn mit 600 Euro auskommen?'", erzählt Jährling. Deutschlandweit sind 4,5 Millionen Frauen betroffen, die nach Jahrzehnten in Minijobs eine Rente von unter 200 Euro bekommen werden, hat das Bundesarbeitsministerium errechnet.

Durchschnittlich erhalten Frauen nur eine Rente von 473 Euro im Monat, ermittelte die Deutsche Rentenversicherung. Seit 2003 gibt es für solche Fälle die Grundsicherung im Alter. Anspruch darauf hat in der Regel, wer unter 700 Euro bekommt, bei Paaren liegt die Grenze bei knapp 1100 Euro. 1,4 Prozent der über 65-jährigen Deutschen erhalten Grundsicherung, etliche mehr dürften jedoch Anspruch darauf haben. Denn bei Altersarmut ist die Scham groß.

Manfred Jährling rechnet damit, dass in Zukunft noch mehr Senioren am Existenzminimum leben werden. "Das wird sich dann zeigen, wenn erst einmal langjährige Hartz-IV-Bezieher in Rente gehen", sagt er. Verluste gibt es auch, wenn bei einer Scheidung Rentenansprüche an den Partner abgegeben werden. Der Besuch des Gymnasiums oder ein Studium werden nicht mehr - wie früher - angerechnet. Reduziert hat sich auch die Hinterbliebenenrente: Seit 2011 gibt es nur noch 55 Prozent, dafür aber auch für Männer. Und viele Selbstständige haben bisher viel zu wenig in die Rentenkasse eingezahlt. Jährlings dringender Rat für alle: Zusätzlich privat vorsorgen. Gerade für Eltern könne sich die Riester-Rente lohnen, bei der es für jedes Kind Zuschüsse vom Staat gebe.

"Jeder muss sich Gedanken machen", sagt auch Katrin Rieger von der Verbraucherzentrale in Kiel. Auch Banksparpläne oder Fondsprodukte mit dem Riester-Zertifikat könnten sinnvoll sein. Der Vorteil: Anders als bei einer Rentenversicherung muss keine Provision gezahlt werden. "Besonders Unentschlossene sind hier gut aufgehoben, weil bei einem Wechsel wenig Kosten anfallen", so Katrin Rieger. Sie empfiehlt, sich ausführlich zu informieren - bei unabhängigen Beratern.

Eigentlich ungerecht: Da die Riesterrente nichts anderes als eine steuerliche Förderung ist, können Vielverdiener unter Umständen sogar mehr vom Staat bekommen als Geringverdiener. "Nämlich dann, wenn die steuerliche Rückerstattung höher ist als die Zulage, die jeder beim Riestern bekommt. Dann wird die Steuererstattung gezahlt", erklärt Katrin Rieger. Seite 20