Förderturm

Das "schwarze Gold" ist hier ziemlich trübe

Bergedorf.Er sieht aus wie ein Ölbohrturm bei den Wüstenscheichs. Bis lange nach Ostern wird der Förderturm an der Randersweide gleich neben der A 25 noch rattern. Doch das etwa 30 Meter hohe Metallgerüst befördert kein Öl und kein Gas aus dem Bohrloch R 303 des Erdgasspeichers Reitbrook, sondern eine defekte Kolbenpumpe aus etwa 650 Metern Tiefe nach oben.

Die hängt an einer ebenso langen Pumpenstange. "Die Stange ist in zehn Meter lange Segmente unterteilt, die Stück für Stück herausgezogen und abmontiert werden", sagt Ralf Meyer, Betriebsleiter des Speicherbetreibers Storengy. Am Ende wird die etwa vier Meter lange und acht Zentimeter dicke Pumpe aus dem Loch gezogen, durch eine neue Pumpe ersetzt, und die Prozedur mit den Stangenteilen beginnt in umgekehrter Reihenfolge.

Rund eine Viertelmillion Euro inklusive Material kostet so ein aufwendiger Einsatz mit Spezialgerät. Er ist in der Regel zweimal im Jahr an einem der 16 Bohrlöcher des Gasspeichers fällig, der sich unter einer etwa 15 Quadratkilometer großen Fläche von Reitbrook und Neuengamme erstreckt. "Manche Pumpen halten mehr als zehn Jahre, andere gerade mal ein Jahr", erklärt Meyer. Ursache seien die verschiedenen Förderbedingungen. "Viel Sand in der Flüssigkeit verträgt so ein Gerät gar nicht gut." Die Pumpen holen eine ziemlich trübe Suppe aus dem Boden: Sie besteht zu etwa 90 Prozent aus Salzwasser, zu zehn Prozent aus Öl. In der Ölentwässerungsanlage am Allermöher Deich wird beides getrennt, das Öl - etwa 12 000 Tonnen im Jahr - wird verkauft und das Wasser an anderer Stelle unter das Lager zurückgeführt.

Die vergleichsweise umständliche Ölgewinnung ist lediglich ein Nebengeschäft bei Storengy. Die größere Leistung besteht in der Einspeicherung von Erdgas in dem porösen Gestein. Etwa 500 Millionen Kubikmeter Gas speichert das Unternehmen in den Poren und Rissen der Lagerstätte für die E.on Hanse AG. "Dafür muss das Gestein flüssigkeitsfrei gehalten werden, sonst benötigt man die zehnfache Zeit, um Gas einzuspeichern", erklärt der Betriebsleiter. Um Trockenheit zu gewährleisten, holen die Pumpen die salzig-ölige Plörre knapp unterhalb der Gaseinlagerung heraus.

Trotz der derzeit hohen Ölpreise: "Ein echtes Geschäft ist das Öl für uns nicht", sagt Ralf Meyer, "denn wegen geringerer Qualität bekommen wir dafür längst nicht den Preis, den etwa Nordseeöl "Brent" einbringt." Zudem sei das Trennverfahren sehr aufwendig.