Brauerei-Coup

Pünktlich zur 850-Jahre-Feier: Jetzt gibt's Bergedorfer Bier

Bergedorf. Es zischt frisch, als sich der Kronkorken hebt. Deutlich dunkler als das gewohnte Pils perlt der Gerstensaft in das Stilglas. Obendrauf thront wölkchen-weiß die schaumige Blume.

Langsam folgt ein Tropfen der Schwerkraft, bahnt sich seinen Weg über das Bergedorfer Wappen, eingerahmt von zwei goldgelben Weizenähren.

"Das ist mein Bergedorfer Bier." Hans-Jürgen Bausewein stellt das Glas sichtlich stolz auf den Tisch. Dabei leuchten die Augen des 62-Jährigen so wie die eines Schülers, der seiner Schwester das lange versteckt gehaltene Weihnachtsgeschenk überreicht.

Bausewein hat allen Grund zur Freude. Fünf Jahre lang hat der Rechtsanwalt und ehemalige Reemtsma-Manager an der Realisation des Bergedorfer Biers getüftelt. Er hat in der lokalen Bierhistorie gegraben, mit Markenanwälten und Brauereien verhandelt, mit Braumeistern immer wieder die Rezeptur abgestimmt und mit der Werbeagentur die Design-Entwürfe abgestimmt. Ab heute steht das Bergedorfer Bier in den Regalen der Supermärkte. Eine lokale Premium-Marke, nur als 0,5-Liter-Flaschen erhältlich. Empfohlener Verkaufspreis Sixpack: 4,99 Euro.

"Die Distribution hat gerade noch rechtzeitig zum Start der 850-Jahre-Feiern geklappt ", berichtet Bausewein erleichtert. Am kommenden Montag wird das Bergedorfer Bier offiziell im Rahmen des 850-Jahre-Festaktes den geladenen Gästen im Haus im Park vorgestellt. Am 30. März können dann die Bergedorfer bei einer Freibier-Verkostung im Marktkauf-Center "ihre" lokale Biermarke probieren.

Die knüpft geschmacklich an die traditionelle Braukunst der 1836 gegründeten "Actien-Brauerei zu Bergedorf" an. Das "Bergedorf Beer" aus der Brauerstraße, der heutigen Chrysanderstraße, war damals weltberühmt. Es wurde als Exportschlager vor allem in die deutschen Kolonien und südeuropäische Länder ausgeführt und dort mehrfach mit internationalen Brauereimedaillen ausgezeichnet.

So wie damals ist auch die Neuauflage, das Bergedorfer Bier, dunkelgold in der Farbe, leicht malzig im Geschmack und wenig gehopft. Und der Gerstensaft hat es in sich: Mit 5,8 Prozent Alkohol ist es stärker als das übliche Pils. "Da Alkohol ein Geschmacksträger ist, hat das Bergedorfer Bier auch einen außergewöhnlich vollmundigen, kräftigen Geschmack", erklärt Bausewein: "So wie es auf der Flasche steht - eben urkräftig."

Knapp 100 000 Flaschen sollen in den nächsten Tagen an den lokalen Handel ausgeliefert werden. Damit die Markteinführung klappt, hat sich Initiator Bausewein mit zwei Branchenkennern zusammengetan. Der Vierländer Einzelhandelskönig Nico Clausen (61) gilt als erfolgreiche Spürnase für lukrative Geschäftsideen und Burkhard Schopen (62) ist ein alter Hase im Biervertrieb, zuvor jahrelang für die Holsten-Brauerei unterwegs. Die drei sind nun Geschäftsführer der neu gegründeten Bergedorfer Braugesellschaft.

Gebraut wird das Bergedorfer Bier allerdings nicht in Bergedorf, sondern in Altona - in den Holsten-Kesseln. Und es gibt ein Stillhalte-Abkommen mit der Öttinger-Brauerei, welche die Lizenz für den Export des ursprünglichen "Bergedorf Beer" hält. Seite 11