Kriminalität

Dreiste Tour: Telefon-Betrüger tarnt sich als "Staatsanwalt"

Geesthacht/Bergedorf. Mit einer neuen Masche versuchen Abzocker auch in Geesthacht und Umgebung älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Indem sie sich am Telefon als Gerichtsmitarbeiter oder Staatsanwalt zu erkennen geben, möchten sie ihren Opfern Angst einjagen und sie dazu bewegen, Bargeld zu verschicken.

Sylvia (70) und Rolf (71) Deinert aus Geesthacht ist Anfang dieser Woche genau das passiert. Am Montag klingelte bei ihnen das Telefon. "Es meldete sich ein Franz Zöllner, er sagte, er sei vom Amtsgericht Hamburg, dort liege ein Strafbefehl gegen mich vor", schildert Sylvia Deinert. Die 70-Jährige habe sich bei einem Online-Glücksspiel verschuldet, nicht gezahlt und müsse sich nun vor Gericht verantworten, erzählte der Anrufer der Seniorin. "Er hat gesagt, ich kann das verhindern, wenn ich 3500 Euro in bar an eine Adresse in die Türkei schicke", so Deinert. Die Adresse diktierte ihr der Mann.

Das Ehepaar, das gar kein Internet zu Hause hat und noch nie Online-Glücksspiele mitgemacht hat, glaubte dem Anrufer gar nichts. "Wir haben sofort beim Amtsgericht und bei der Polizei angerufen", sagt Rolf Deinert. Von einem Strafbefehl wusste man beim Amtsgericht in Hamburg nichts. "Leider kommt es immer wieder vor, dass versucht wird, älteren Menschen damit Angst einzujagen um an ihr Geld zu kommen", sagt Ingo Frohböse vom Hanseatischen Oberlandesgericht. Er weist darauf hin, dass Beschuldigte niemals vom Gericht persönlich angerufen werden. "Das passiert immer schriftlich. Auf dem Briefkopf sind Aktenzeichen, der Name und die Durchwahl des Bearbeiters vermerkt", sagt Frohböse.

Als "völlig dreiste Tour" bezeichnet Rechtsexpertin Edda Castello von der Hamburger Verbraucherzentrale den "Staatsanwalt"-Trick. Sie rät dazu, bei solchen Anrufen sofort die Polizei zu informieren und nach Möglichkeit die im Telefon gespeicherte Nummer des Anrufers zu notieren. Laut Bergedorfs Kripo-Chef Axel Podlech werden in Deutschland täglich Menschen von vermeintlichen Anwälten oder Inkasso-Büros angerufen und zu Zahlungen aufgefordert: "Die fiese Masche mit dem Staatsanwalt hat's bisher in Bergedorf aber noch nicht gegeben."

"Damit wollen sie Senioren und oft auch Migranten einschüchtern", so Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Er rät zu Vorsicht. "Es kann sein, dass die Daten, die die Betrüger haben, aus einem Datendiebstahl von 2008 stammen." Damals waren Datensätze der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) in die Hände von Betrügern geraten. Diese enthielten auch die Bankdaten vieler Menschen. Hagen: "Deshalb sollte jeder seine Kontobewegungen im Auge behalten und im Zweifel zurückbuchen."

Um das Ehepaar Deinert kümmern sich die Betrüger übrigens ganz besonders. Als unsere Zeitung zum Interview vor Ort war, klingelte prompt das Telefon. "Oberstaatsanwalt" Jürgen Meier aus Berlin drohte mit Konsequenzen, sollten die Deinerts nicht bald zahlen. "Ich habe ihm gesagt, er soll aufhören mit dem Quatsch", so Rolf Deinert. Er hofft, dass das jetzt der letzte Anruf war.