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Angst vor Spritklau: Tanken nur noch mit Personalausweis

Bergedorf/Geesthacht. Tankstellen-Pächter schlagen Alarm. Beständig steigende Benzin- und Dieselpreise haben den Spritklau zum neuen Volkssport gemacht. "Bei uns haben sich die Fälle von Benzindiebstahl in den vergangenen Monaten verdreifacht", sagt Inez Steffen verzweifelt.

Sie ist Pächterin der HEM-Tankstelle an der Kreisstraße 80 von Lohbrügge Richtung A 24. In ihren mehr als 20 Jahren Tankstellen-Erfahrung gab es noch niemals so viel Spritklau wie in diesen Tagen.

Nach Auskunft des Bergedorfer Kriminalhauptkommissars Matthias Kalinna sind besonders die Tankstellen an den Bergedorfer Ausfallstraßen betroffen. Tarek Angi von der Star-Tankstelle am Reinbeker Redder kann das bestätigen: "In der letzten Woche hatten wir drei Benzindiebstähle. Das ist wirklich eine Häufung."

Laut Kalinna gehen die Täter häufig professionell vor, kommen mit gestohlenen Kennzeichen, damit die Tankstellen-Kameras sie nicht entlarven. HEM-Pächterin Steffen ist aufgefallen, dass fast alle Sprit-Diebe neue, teure Autos haben: "Porsche Cayenne oder große Mercedes-Modelle fahren die meisten. Offenbar können diese Leute sich den hohen Spritverbrauch ihrer Autos nicht mehr leisten." Um sich gegen die schmerzlichen Verluste zu schützen, hat sie ihr Personal angewiesen, sofort die Säule zu sperren, wenn ein Autofahrer aussteigt, dessen Gesicht wegen Kapuze, Mütze oder Halstuch nicht genau zu erkennen ist. "Anders weiß ich mir nicht mehr zu helfen. Denn ich muss für jeden Diebstahl selbst aufkommen."

Auch Rosemarie Cohrs von der Esso-Tankstelle in Geesthacht kennt das Problem Benzindiebstahl. "Meist sind die erst mal ganz freundlich und grüßen von draußen noch nett, dann tanken sie voll und fahren einfach weg", erzählt sie. "Vielfach haben sie ein gestohlenes oder ein falsches Nummernschild montiert." Auch wenn Cohrs und ihre Kollegen die Diebstähle anzeigen, führe das deshalb nur in den seltensten Fällen dazu, dass man die Täter fasse. "Teils ersetzt uns der Konzern Esso diese Verluste, teils bleiben wir drauf sitzen", sagt Cohrs.

Viele Kunden hatten kein Verständnis für die Maßnahme

Als der Benzindiebstahl der Betreiberin der HEM-Tankstelle in Geesthacht zu viel wurde, erließ sie vor einiger Zeit sogar die Regel, dass man an der Tanksäule, die am dichtesten an der Ausfahrt steht, nur noch nach Abgabe des Personalausweises tanken durfte. "Viele Kunden hatten dafür aber kein Verständnis, deshalb haben wir das wieder eingestellt", sagt Filialleiterin Selin Adanali. "Da lobe ich mir die Regelung in anderen Ländern. In der Türkei zum Beispiel gibt es einen Tankwart. Der kassiert, bevor getankt wird.." Noch sinnvoller findet Adanali dagegen ein Bezahlterminal an der Tanksäule, wie in Italien üblich. Dort und an dänischen Tankstellen ohne Personal läuft der Sprit erst nach Einschieben der EC-Karte.

Zunehmend zum Problem wird auch der Diesel-Klau aus Lkw-Tanks, etwa im Gewerbegebiet Allermöhe. "Besonders betroffen sind die Nahverkehrs-Fahrzeuge unserer Subunternehmer, die an der Straße stehen", sagt Niederlassungsleiter Bernd Bockwoldt von der Spedition Dachser. In Hamburg wurden sogar schon mehrere Pkw-Tanks von unten aufgebohrt, der Kraftstoff umgefüllt.

"Fast alle Sprit-Diebe fahren teure Autos - Porsche oder Mercedes." Inez Steffen, Tankstellen-Pächterin