Zwölffache Summe

Aufsichtsräte genehmigen sich kräftige Entschädigung

Geesthacht. Die Mitglieder müssen teuren Stromeinkäufen zustimmen. Sie machen den Weg frei für Investitionen in innovative Geschäftsfelder. Der Aufsichtsrat der Geesthachter Stadtwerke hat bei wichtigen Entscheidungen das letzte Wort.

Offiziell arbeitet das Gremium, das zum großen Teil aus den Fraktionen der Geesthachter Parteien besetzt wird, ehrenamtlich. Doch die Ehrenamtlichkeit soll Anfang März hinter verschlossenen Türen teuer vergütet werden: Stimmt die Gesellschafterversammlung zu, steigen die Aufwandsentschädigungen auf das Zwölffache. Und das sogar rückwirkend zum 1. Januar 2011.

Bislang erhielten die elf Mitglieder des Stadtwerke-Kontrollgremiums 23 Euro pro Sitzung, getagt wird vier Mal im Jahr. Künftig soll pauschal 100 Euro pro Monat an jedes Mitglied überwiesen werden. Der Ausschussvorsitzende erhält statt 46 Euro pro Sitzung künftig 200 Euro monatlich. Gleichzeitig sollen auch die Tantiemen für die Mitglieder der Gesellschafterversammlung der Stadtwerke und der städtischen Betriebe - die als Tochterunternehmen das Freibad betreiben - mehr als vervierfacht werden: von 23 auf 100 Euro pro Sitzung.

"Für mich ist diese Erhöhung ein Unding. Wie soll man Ehrenamtlichen in Sportvereinen solche Aufwandsentschädigungen noch plausibel erklären?", fragt Ali Demirhan, Fraktionsvorsitzender der Grünen. Was ihn besonders ärgert: Genehmigt wird der Zuschlag von der Gesellschafterversammlung in nicht öffentlicher Sitzung - und hier sitzen zum Teil dieselben Mitglieder wie im Aufsichtsrat. "Das hat es in städtischen Gremien noch nie gegeben. Wir haben doch keinen Selbstbedienungsladen", sagt Demirhan. "Und solche Erhöhungen passen einfach nicht in eine Zeit, in der überall gespart werden muss." Demirhan hat nachgerechnet und kommt bei vier Sitzungen auf einen Stundenlohn von 60 Euro pro Mitglied. "Von Ehrenamt ist da nicht mehr viel zu sehen."

Obwohl auch Bürgermeister Volker Manow in allen drei Gremien sitzt und damit von den Erhöhungen persönlich profitiert, wollte sich die Stadt nicht zu der Satzungsänderung äußern - im Rathaus verwies man an die Stadtwerke. Dort betont man, dass die Vergütungen seit 1997 nicht mehr gestiegen sind. "Aber die Arbeitsintensität und auch die Verantwortung sind immer größer geworden. Wir haben immer öfter außerordentliche Sitzungen", sagt der Aufsichtsratsvorsitzende Olaf Schulze, der von der SPD in das Gremium entsandt wurde. "Wir waren der Ansicht, dass die bisherigen Tantiemen nicht mehr zeitgemäß sind. Vor allem, weil unsere Mitglieder für ihre Entscheidungen persönlich verantwortlich gemacht werden können", so Schulze. "In anderen Vereinen müssen Ehrenamtliche nicht für die Tätigkeiten des Geschäftsführers haften", sagt Schulze. Bei den neuen Vergütungen habe man sich an anderen Stadtwerken im Land orientiert. "Allerdings am unteren Ende", wie Schulze betont.