Überfall

Räuber gefasst - Geesthacht ehrt zwei mutige Männer

Geesthacht. Als Boris Ionov (47) und Marco Koncar (35) am 14. Januar bei "Penny" in Geesthacht noch kurz vor Ladenschluss ein paar schnelle Einkäufe erledigen wollen, werden sie Zeugen eines Raubüberfalls.

Ein mit Kapuze und Halstuch maskierter Mann nimmt eine Kassiererin in den Schwitzkasten, hält ihr ein Messer an den Hals und fordert Geld aus der Kasse. Ionov und Koncar schauen nicht weg - sie handeln: Sie überwältigen den Räuber, nehmen ihm das Messer ab und halten ihn bis zum Eintreffen der alarmierten Polizei fest. Seitdem sitzt der Räuber (26) in Haft.

Bürgermeister Volker Manow, Sozialamtsleiter Christoph Wieck und Polizeichef Thomas Specht ehrten Ionov und Koncar jetzt mit dem Preis für Zivilcourage der Stadt, der unregelmäßig bei passenden Anlässen verliehen wird. Manow lobte das vorbildliche Verhalten der beiden couragierten Geesthachter. "Sie haben unserer Stadt als Vorbilder einen großen Dienst erwiesen. Sie haben nicht weggesehen, sondern sind für das Wohl der Menschen eingetreten", erklärte Manow. Zum Dank gab es neben einer Urkunde und einem Blumenstrauß auch einen Einkaufsgutschein für die "Helden des Alltags".

"Es ging eigentlich alles ganz schnell", erinnert sich Boris Ionov an seinen Einkauf bei "Penny" vor fünf Wochen. "Plötzlich war da der Mann, der die Kassiererin bedroht hat. Mir war gleich klar, dass ich etwas tun muss. Ich dachte mir, wenn ich ihn schnell genug packe, dann klappt das", sagt der 47-Jährige. In dem Moment, als der Räuber mit seiner Beute flüchten will, geht Ionov auf ihn los. Sofort springt ihm Marco Koncar zur Seite. Gemeinsam ringen die Männer den Räuber zu Boden, nehmen ihm das Messer ab. "Sein Umfeld hatte der Räuber wohl nicht im Blick, er hatte nur Augen für das Geld", berichtet Koncar. Das war der Vorteil für die beiden mutigen Zeugen.

"Das ist sehr erfolgreich gelaufen ist", sagte Specht über die Aktion der Männer bei der Preisverleihung. Nach dem Notruf aus dem Discounter waren seine Beamten schnell mit zwei Streifenwagen am Einsatzort, schon klickten die Handschellen. Die Polizisten brauchten den Räuber im wahrsten Sinne des Wortes nur noch vom Boden aufzusammeln und abzuführen. Alles andere hatten Ionov und Koncar bis dahin im Griff. "Der Einsatz der Kunden war aber nicht ohne Risiko", warnt Specht: "Man kann jetzt nicht grundsätzlich erwarten, dass jeder Bürger so handelt." Schon wichtige Beobachtungen von Zeugen, das zügige Absetzen des Notrufs an die Polizei unter der Nummer 110 oder die Verfolgung eines Flüchtigen in sicherem Abstand helfen der Polizei, bei Straftaten zu ermitteln.

Der Festgenommene wird sich unter anderem wegen schweren Raubes, gefährlicher Körperverletzung und versuchten Totschlags vor Gericht verantworten müssen. Eine entsprechende Anzeige hat die Polizei aufgenommen. Dem Mann, der Polizei wegen zahlreicher Straftaten bereits gut bekannt, drohen bei einer Verurteilung mehrere Jahre Haft.

"Ich hoffe, dass durch unsere Aktion auch ein bisschen so etwas wie Abschreckung eintritt. Es lohnt sich nicht, solche Überfälle zu begehen", sagt Koncar.

Seit 2005 zeichnet die Stadt Geesthacht couragierte Menschen mit dem vom Kriminalpräventiven Rat ins Leben gerufenen Preis aus. Als erster war ein Mann geehrt worden, der einem Lebensmüden in die Elbe hinterher sprang und ihn aus den Fluten zog. Besonderen Einsatz zeigte auch ein Mann, der mit seinem eigenen Wagen ein Fahrzeug auf der Autobahn abbremste und es zum Stehen brachte. Im Vorbeifahren hatte er bemerkt, dass die Fahrerin hinter dem Steuer zusammengesackt war.