Rettungswesen

Skandal um DRK-Finanzen - Kreis sucht neuen Partner

Geesthacht. Fahren die Rettungswagen im Kreis Herzogtum Lauenburg ab 2013 unter anderer Verantwortung? Es sieht danach aus. Der Innenausschuss des Kreises hat am kommenden Donnerstag das Thema "Rettungsdienst: Vertragsangelegenheiten" auf der Tagesordnung.

Die Leitende Verwaltungsdirektorin Dörte Kröpelin hat für das Gremium eine umfassende Vorlage erarbeitet. Zwar verzichtet sie darin auf eine Beschlussempfehlung - die soll in der Sitzung im Zuge der Beratung getroffen werden. Die Fortführung des Vertrags mit dem Deutschen-Roten-Kreuz nennt Kröpelin jedoch "unzumutbar".

Alles scheint auf eine Beteiligung des Kreises an der "Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein" (RKiSH) hinauszulaufen. Damit wäre der Kreisverband des DRK diesen prestigeträchtigen Auftrag los - nach 56 Jahren als Partner des Kreises.

Der Kreis hat bereits Gespräche mit der RKiSH geführt, und die Gesellschafter der Kooperation haben weiteren Gesprächen über eine mögliche Zusammenarbeit mit dem Kreis zugestimmt. Die RKiSH wurde 2005 als gemeinnützige Gesellschaft (gGmbH) gegründet. Sie organisiert in den Kreisen Pinneberg, Dithmarschen, Rendsburg-Eckernförde und Steinburg für 850 000 Menschen den Rettungsdienst - von 31 Rettungswachen und acht Notarztstandorten aus. Im Lauenburgischen gibt es an drei Standorten Notärzte und an neun Standorten Rettungswagen.

Wie berichtet, denken Politik und Verwaltung im Kreis seit Herbst 2011 über die künftige Organisation des Rettungsdienstes nach. Den Stein brachte ein Skandal um die Finanzen und Abrechnungen des DRK ins Rollen. Der Kreis schaltete sogar die Staatsanwaltschaft ein, um einen Betrüger ermitteln zu lassen. Jemand hatte sich - dank von DRK-Geschäftsführer Martin Turowski abgezeichneten, gefälschten Rechnungen - Bargeld abgezweigt. Außer um diese gefälschten Rechnungen geht es auch um vom DRK kassierte Doppelzahlungen für Miete. Funkgeräte und Defibrillatoren wurden mit falschen Abschreibungszeiten belegt. Auch hatte das DRK eine Rechnung für eine Fahrzeugreparatur eingereicht, obwohl das Fahrzeug gar nicht dem DRK gehört. Bei einer Prüfung von Unterlagen stolperte das Rechnungsprüfungsamt ferner über ungewöhnlich hochwertige Mobiltelefone und Laptops. Insgesamt geht es um rund 200 000 Euro Fehlzahlungen allein für das Jahr 2008. Die Abschlüsse 2009 und 2010 konnten noch nicht komplett geprüft werden, Stichproben ergaben aber erneut weitere Unstimmigkeiten.

Der lauenburgische DRK-Präsident Dieter Dreyer wirft dem Kreis vor, seine Organisation "absichtlich ins Zwielicht gerückt" zu haben.

Mittlerweile hat sich auch der Landesverband der Hilfsorganisation eingeschaltet. Das Angebot aus Kiel an den Kreis sieht vor, Geschäftsführer Turowski von seinen Aufgaben im Rettungsdienst zu entbinden und einer Hamburger Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die kommissarische Leitung des Rettungsdienstes zu übertragen. Zudem soll die gemeinnützige Gesellschaft des DRK keine Krankentransporte mehr wahrnehmen. "Wir hoffen, mit diesen Ausführungen den Weg zu einer erneuten guten Zusammenarbeit zu ebnen", schreibt Landesvorstand Klaus Crijns an den Landrat.

Wie es konkret weitergeht, darüber wird der Innenausschuss in öffentlicher Sitzung am 23. Februar (Beginn: 16 Uhr) in der Aula der Gelehrtenschule in Ratzeburg diskutieren. Das Gremium soll für den im März tagenden Kreistag eine Empfehlung aussprechen. Nur der Kreistag kann den Vertrag mit dem DRK zum Jahresende kündigen. Klar ist bereits jetzt: Die DRK-Mitarbeiter, die auf den Rettungs- und Notarztwagen fahren, würden von der RKiSH übernommen. Die Verwaltung würde im Falle eines Einstiegs des Herzogtums dann bei der RKiSH in Heide erfolgen.

Von DRK-Geschäftsführer Turowski war nach der Veröffentlichung der Ausschussvorlage gestern keine Stellungnahme zu erhalten.