Nachfrageboom

Eis-Winter treibt Preise für Heizöl kräftig nach oben

Bergedorf. Harte Zeiten für Heizöl-Kunden: Sie müssen für ihren Brennstoff jetzt so viel bezahlen wie zuletzt vor dreieinhalb Jahren. Die Kälte in ganz Europa und die hohe Nachfrage haben den Preis im bundesweiten Durchschnitt auf 93,20 Euro für 100 Liter getrieben, bei Abnahme von 3000 Litern.

Händler berichten von Nachfrage-Steigerungen bis zu 400 Prozent.

"Die Kunden haben bis auf den letzten Drücker gewartet, weil der Winter zunächst mild war und die Preise erfahrungsgemäß im Januar oder Februar sinken", beschreibt Frank Prade, Niederlassungsleiter des Brennstoffhandels Hoyer im Gewerbegebiet Allermöhe. "Aber das hat in diesem Jahr überhaupt nicht geklappt." Stattdessen seien bei der vor zwei Wochen plötzlich eingebrochenen Eiseskälte nun viele Öltanks leer, und die Kunden seien gezwungen, ihr Öl im Preishoch zu kaufen. Seine Mitarbeiter sind seit Wochen im Dauerstress, um alle Bestellungen auszuführen: "Seit Freitag können wir aber wieder kurzfristig liefern."

Noch im Dezember waren 100 Liter Heizöl für 85 Euro zu haben, was aus heutiger Sicht günstig, rückblickend aber bereits sehr teuer war: Seit dem März 2009 stieg der Preis von damals 46 Euro kontinuierlich auf das nunmehr Doppelte an. Mit dem Heizöl wurde auch der technisch verwandte Dieselkraftstoff spürbar teurer. Diesel-Preise bis zu 1,50 Euro waren in den letzten Tagen in Bergedorf keine Seltenheit.

Hoyer-Chef Prade nannte am Freitag für das handelsübliche Energiespar-Heizöl einen Preis von 91,57 Euro pro 100 Liter, empfahl aber für die Befüllung nicht kältegeschützter Tanks das zwei Euro teurere Winterspar-Öl, das noch bis zu minus 20 statt bis minus zehn Grad gebrauchsfertig bleibt.

Verschärft wird die Knappheit noch durch vereiste Wasserstraßen. Die Binnenschifffahrt ist in Niedersachsen völlig zum Erliegen gekommen, die Elbe ist oberhalb von Hamburg nicht mehr zu befahren, und auch in Nordrhein-Westfalen sind viele Kanäle zugefroren. Einige Tanklager können daher nicht mehr beliefert werden.

"Hamburg ist von diesen Schwierigkeiten nicht direkt betroffen", erklärt Prade. Allerdings müssten einige Lager im Binnenland nun per Lkw von Hamburg aus bedient werden, was die Nachfrage und damit die Preise weiter nach oben getrieben habe. Mit sinkenden Preisen rechnet der Experte erst zum Ende des Winters.

Das aber lässt nach Aussagen von Meteorologen noch auf sich warten. Nach ein paar milderen Tagen in dieser Woche rechnet Dominik Jung von wetter.de in der nächsten Woche wieder mit zweistelligen Minusgraden: "Das bleibt dann sehr wahrscheinlich bis zum Monatsende so."