Lohbrügge

Bus der Linie 234 beschossen - Mutter und Tochter verletzt

Lohbrügge. Michael Fritsch (38) steht an der Bushaltestelle Heidkampsredder, auf der Stirn perlt der Schweiß, ganz fest an der Hand hat er seinen kleinen Sohn. Seine Frau und die große Tochter sind gerade mit dem Rettungswagen ins Krankenhaus gekommen.

Was zuvor passiert ist, muss Fritsch erst einmal verdauen: "Wir kamen aus Bergedorf und waren mit dem Bus auf dem Nachhauseweg nach Nettelnburg", berichtet der Familienvater. "Wir saßen auf der rechten Seite vor der mittleren Tür." Als der Bus der Linie 234 gegen 16.30 Uhr in der Leuschnerstraße in Höhe Heidkampsredder um die Kurve fährt, gibt es plötzlich einen ohrenbetäubenden Knall. "Meine Tochter schrie, meine Frau ging in Deckung, die Scheibe neben ihnen zersplitterte." Und nicht nur diese. Auch am hinteren Ende des Busses geht zeitgleich eine Scheibe zu Bruch.

Der Busfahrer steigt in die Bremse, fährt die Haltestelle Heidkampsredder an. Der Linienbus ist vor allem mit Schulkindern fast voll besetzt. Es gibt Geschrei, alle wollen raus. In den beiden Scheiben klaffen fingernagelgroße Löcher. "Mit einem Nothammer hat der Busfahrer dann die beiden Scheiben komplett aus der Karosserie geschlagen, damit sich beim Aussteigen keiner verletzt.", erzählt Fritsch. Seine 12-jährige Tochter schreit und zittert, sie steht unter Schock. Seine 36 Jahre alte Frau kann auf dem rechten Ohr nichts mehr hören, durch den lauten Knall erleidet sie ein Knalltrauma. Der Busfahrer hat die Lage im Griff, er funkt zur Zentrale: "Mein Wagen ist beschossen worden."

Wenig später rücken mehrere Streifenwagen, die Feuerwehr und ein Rettungswagen an. Dieser bringt die beiden Verletzten ins Krankenhaus. Die Polizisten befragen die Fahrgäste. Zwei Schüler wollen nach dem Knall auf dem Fußweg zwei Jugendliche gesehen haben, die vom Tatort wegliefen.

Als dann in der Kurve auf der Fahrbahn die Patronenhülse eines Geschosses gefunden wird, ist die Aufregung groß. Aus dem Polizeipräsidium rückt ein Spezialist des Kriminaldauerdienstes an. Dieser untersucht das innere des Busses und sucht auf der Leuschnerstraße nach Spuren. Neben der Hülse werden auch noch Schrauben und Muttern gefunden. "Wir müssen davon ausgehen, dass der Bus gezielt beschossen oder beworfen wurde", sagt der Kripomann. Die Patronenhülse läge möglicherweise schon länger auf der Straße. Zudem habe man keine Projektile im Bus gefunden. Der Ermittler: "Das können auch Steinwürfe oder der Beschuss mit einer Zwille gewesen sein."

Die meisten Fahrgäste warten auf den nächsten 234er und setzen ihre Fahrt fort. Andere wollen "lieber mal ein paar Meter laufen", denn der Schreck sitzt tief. Der Hintergrund der Attacke ist indes völlig unklar. Es ist wohl nicht davon auszugehen, dass der Täter sich gezielt diesen Bus mit den entsprechenden Fahrgästen ausgesucht hat. Möglicherweise stecke eine Art "kriminelle Mutprobe" dahinter, so die Polizei.

"Ich hoffe, dass wir meine Mami und meine Schwester gleich wieder aus dem Krankenhaus abholen können", wünscht sich der fünfjährige Sohn von Michael Fritsch. Papa ist indes in sich gekehrt: "Wir haben wohl Glück gehabt, was sind das nur für Menschen, die so was machen!"