Bebauung

10 Grad mehr: Städten droht Klimakollaps

Bergedorf. Mit Hamburg soll auch Bergedorf weiter wachsen. Allein 600 der jährlich vereinbarten 6000 neuen Wohnungen sollen im flächenmäßig größten Bezirk entstehen. Hinzu kommen Forderungen nach Logistikarealen, neuen Gewerbeflächen von 21 beziehungsweise 35 Hektar jedes Jahr.

Während Senat und Wirtschaft das Erreichen erster ehrgeiziger Ziele feiern, gerät ein Problem in der Hamburger Stadtplanung aus dem Blick. Dabei trifft der fortschreitende Klimawandel Ballungsräume besonders hart. Experten warnen vor der Unbewohnbarkeit mancher Metropole: Das Zusammenspiel mit weiter verdichteter städtischer Bebauung könne einen weiteren Temperaturanstieg bis zehn Grad Celsius auslösen.

Bis vor wenigen Jahren waren es vor allem Umweltschützer, die vor fortschreitender Versiegelung von Flächen gewarnt haben. Heute prüfen Stadtplaner der Hafencity-Uni, mit welchen Folgen Hamburgs Nachbarkommune Elmshorn rechnen muss, wenn es seine Innenstadt weiter bebaut. Oder analysieren, wie sich der Alsternebenfluss Wandse auf das Stadtklima in dicht bebauten Quartieren von Wandsbek und Mitte auswirkt.

"Städte sind ein wesentlicher Treiber der globalen Klimaveränderung", warnte Prof. Heinke Schlünzen, Meteorologin der Uni Hamburg, in einem Interview. Das starke Bevölkerungswachstum von Ballungsräumen wie Mexico-City, Kairo, Tokio oder auch Istanbul geht mit dem Klimawandel einher, befördert ihn. Etwa die Hälfte aller Menschen lebt bereits in Städten.

"Wir müssen dafür sorgen, dass Städte auf die wachsenden Temperaturen nicht noch zwei, fünf, ja bis zu zehn Grad Celsius draufschlagen", fordert die Wissenschaftlerin und Koordinatorin urbaner Systeme. Neben Wasserflächen und Parks könnten auch begrünte Dächer den Anstieg dämpfen - wenn sie groß genug sind. Die Bebauung dürfe den Klimawandel nicht noch weiter verstärken.

Tatsächlich speichern schon heute Beton, Mauerwerk und Asphalt die Wärme in Städten. In Hamburg ist es durchschnittlich gut ein Grad wärmer als im Umland. Nach sonnigen Tagen schnellt der Unterschied jedoch bereits jetzt auf bis zu drei Grad Celsius in Sommernächten empor.

"In Berlin und München ist die Baudichte erheblich höher als in Hamburg", verteidigt Bergedorfs Bezirksamtsleiter Arne Dornquast die Pläne für neue Wohngebiete und Gewerbeareale. Auch innerhalb der Hansestadt seien die Unterschiede erheblich: "Wenn in Bergedorf ein Areal wie die Glasbläserhöfe neu bebaut wird, sinkt die Baudichte. Das ist etwas anderes, als wenn in Eimsbüttel oder Nord darüber diskutiert wird, verbliebene Grünflächen zu bebauen, weil ansonsten kein Platz für neue Wohnungen mehr ist."

Für Bergedorf schließt Dornquast Probleme mit dem Stadtklima aus: "In den Großsiedlungen Lohbrügge-Nord, Bergedorf-West und beiden Neuallermöhe haben wir große Grünflächen." Für den Mittleren Landweg sei ein Klimaschutz-Modellquartier mit 150 Reihenhäusern vorgeschlagen. Was in Bergedorf sonst noch geschehen soll, steht im Interview auf S. 12.