Protest

"Atomkraft - nein danke": 100 000 in der Menschenkette

Bergedorf/Geesthacht. 120 Kilometer Volksfeststimmung. Und alles, was strahlte, war die Sonne: Nach Polizeiangaben etwa 100 000 Menschen (die Veranstalter sprechen von 120 000), darunter fast 10 000 in Bergedorf und 7000 in Geesthacht, haben am Sonnabend zwischen den zurzeit abgeschalteten Kernkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel mit einer Menschen- und Aktionskette ein deutliches Zeichen gegen Atomkraft gesetzt.

Hand in Hand standen sie von 14.30 Uhr bis 15 Uhr nebeneinander. Absolut friedlich, mit Kindern, Traktoren, Fahrrädern, Gitarren und Transparenten waren die Menschen zur Demo gekommen. "Es macht mich stolz, hier dabei gewesen zu sein", sagte die Geesthachterin Bettina Boll.

Ein Bündnis aus Vereinen, Initiativen, Gewerkschaften und Parteien hatte zu der einmaligen Menschenkette aufgerufen. Sie schafften es, die größte Umweltschutz-Demonstration der vergangenen 20 Jahre im wahrsten Sinne des Wortes auf die Beine zu stellen. Zwei Tage vor dem heutigen 24. Jahrestag des Reaktorunglücks von Tschernobyl schaffte es die Anti-AKW-Bewegung, sich eindrucksvoll zurückzumelden.

Dabei hatte sie vielerorts prominente Unterstützung. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles etwa unterstützte die regionalen Sozialdemokraten vor Ort in Geesthacht. Sie reihte sich mit ihren roten Gummistiefeln in Höhe der Post in die Menschenkette ein. "Es geht jetzt in die heiße Phase, da müssen wir mobil machen", spielte die Bundestagsabgeordnete auf die Pläne der neuen Regierung aus CDU und FDP an, den von Rot-Grün beschlossenen Atomausstieg zu kippen. "Die neue Bundesregierung wird darüber demnächst mit der Atomlobby verhandeln. Aber für uns kann es nur eine Devise geben: Hände weg vom Atomausstieg", machte sie deutlich.

50 Busse mit Atomkraftgegnern hatte allein die SPD in den Norden geschickt. Insgesamt waren 240 Busse und drei Sonderzüge angereist, hatten am Vormittag die Demonstranten an 124 Sammelpunkten abgesetzt. Pünktlich wurde dann die Menschenkette gebildet. Die wurde so stark besucht, dass vorsorglich bedruckte gelbe Bänder als Zeichen der Verbindung nicht benötigt wurden. An der Elbuferstraße in Geesthacht hätten auch drei Reihen gebildet werden können, so viele Menschen hatten sich versammelt.

Auch in Bergedorf wurde die Kette geschlossen. "Kurz vor 14.30 Uhr sind noch sehr viele Bergedorfer vor die Tür gegangen und haben sich eingereiht", freute sich Mitinitiator Lutz Jobs von der Partei Die Linke. Über die B 5, Mohnhof, Fußgängerzone, Alte Holstenstraße und Lohbrügger Landstraße erstreckte sich die Kette bis nach Boberg. Mountainbiker und Skateboarder drehten ihre Runden, Demonstranten schlugen Laola-Wellen wie im Fußballstadion.

Doch es gab auch Widerspruch. Die lauenburgische FDP-Bundestagsabgeordnete Christel Happach-Kasan hat einen "schalen Beigeschmack", weil Ökostrom-Anbieter Sonderzüge und Busse bezahlt hatten. "Das Grundrecht auf Demonstrationsfreiheit darf nicht von PR-Strategen staatlich geförderter Öko-Konzerne als Instrument des Marketings instrumentalisiert werden", sagte Christel Happach-Kasan. Seiten 2/20

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