Vermittlungsgutscheine

Arbeitslos und schlecht beraten - kein Einzelfall

Bergedorf/Geesthacht. Weil Private angeblich erfolgreicher Stellen vermitteln als die Arbeitsagentur, wurde vor Jahren der Vermittlungsgutschein eingeführt. Bis zu 2500 Euro können "private" Vermittler aber auch Zeitarbeitsfirmen einstreichen, gelingt es ihnen, einen Erwerbslosen längerfristig auf einen regulären, sozialversicherungspflichtigen Job zu vermitteln.

Befürworter sahen in ihm ein Allheilmittel, Kritiker eine Lizenz zum Gelddrucken: Nachdem der Vermittlungsgutschein für Arbeitslose etabliert ist, steht er auf der Kippe - aus gutem Grund.

Trittbrettfahrer und Geschäftemacher haben dieses Instrument für sich entdeckt.

Nach gut 30 Berufsjahren stand die Geesthachterin Barbara Hartmann (53) vor dem Nichts: Sie hatte ihre Stelle verloren, auf Arbeitslosengeld 2 darf sie aufgrund der Rente ihres Mannes nicht hoffen. Den Wunsch auf eine neue Stelle als Bäckerei-Fachverkäuferin konnte ihr die Arbeitsagentur Geesthacht nicht erfüllen. Sie erhielt einen "Vermittlungsgutschein", Wert 2000 Euro.

Der private Vermittler, an den Barbara Hartmann geriet, erwies sich als totaler Fehlschlag: "Die Firma hat meinen Lebenslauf und meine Bewerbung optimiert, viel mehr habe ich von denen nicht gehört." Das wurde anders, als der auf knapp sechs Monate befristete Gutschein ungültig wurde. Sie könne sich weiter auf eigene Rechnung betreuen lassen, bot die Firma an: "Ich hätte 500 Euro sofort bei Vertragsabschluss, 500 nach drei Monaten im Job und weitere 500 sechs Monate später zahlen sollen, das war der Gipfel." Sie hat auf diesen Service und die weitere Unterstützung der Arbeitsagentur verzichtet. Die Eigeninitiative hatte Erfolg: Kommende Woche tritt Barbara Hartmann ihre neue Stelle in einer Bäckerei in Hamburg an.

Viele Arbeitslose haben ähnliche Erfahrungen gemacht. "Wir hören das immer wieder", sagt Helmut Knabjohann, Vorsitzender des Arbeitslosenforums Mölln, das pro Jahr 400 Erwerbslose im Kreis berät. "Fakt ist, dass die Arbeitslosen nur verwaltet werden und es die freien Stellen gar nicht gibt - weder bei der Agentur noch beim privaten Vermittler."

Am Geschäftsmodell der privaten Vermittlungsfirma findet die Arbeitsagentur Bad Oldesloe nichts Anrüchiges: "Das ist vergleichbar mit dem Angebot eines Arztes, nach dem Ende des Rezeptes die Behandlung auf eigene Kosten fortzusetzen", sagt Agentur-Sprecher Stefan Schröder.

"Es ist kein Geheimnis, dass sich viele Personaldienstleister Zusatzeinnahmen verschaffen, indem sie private Vermittler ausgründen", sagtUlf Fock, Chef der Arbeitsagentur in Bergedorf , und bestätigt damit eine weitere Möglichkeit Privater, ihre Einnahmesituation zu verbessern. "Doppelt kassieren, vom eigenen Auftraggeber und von der Agentur, ist nicht verboten. Das hat aber der Gesetzgeber so wohl kaum gemeint."

Auch die Arbeitsgemeinschaften, die Langzeitarbeitslose betreuen, geben Vermittlungsgutscheine aus. 3151 davon wurden in Hamburg bis November eingelöst: "Wir sind sehr zufrieden", sagt Sprecherin Marina Marquardt. Allerdings bereite Berlin eine "Neuordnung der arbeitsmarktpolitischen Instrumente" vor.

Der Gutschein steht auf der Kippe, wissen Insider. Ulf Fock setzt auf Zusammenführung diverser Instrumente zu einem Vermittlungsbudget: "Das böte uns größeren Spielraum, die Maßnahmen auf die jeweiligen Kunden abzustellen."