Interview: Prof. Dr. Marco Sailer

Robotik unterstützt die Chirurgen schon heute

Wie sieht der Operationssaal von morgen aus? Werden wir von Robotern operiert?

Im Moment gibt es noch keinen Roboter, der besser operieren kann als ein Arzt. Aber vielleicht in 20 Jahren! Was es heute bereits gibt, ist die sogenannte Robotik. Diese kann vor allem in der Knochen- und Bauchchirurgie eingesetzt werden. Der Chirurg steht dabei nicht mehr direkt am Patienten, sondern sitzt an einem Computer, mit dem er einen Operationsroboter steuert. Damit kann man präziser arbeiten und zukünftig vielleicht Operationen wagen, die bisher fast nicht oder nur unter schwierigen Bedingungen möglich sind.

Weiterhin könnte NOTES (engl., Abkürzung für Endoskopische Operation durch natürliche Öffnungen) im Kommen sein. Das ist eine Weiterentwicklung der minimal-invasiven Chirurgie. Mit der neuen Technik geht man z. B. für eine Blinddarmoperation durch den Mund in den Magen und durch ein Loch in der Magenwand in den Bauchraum. Für den Patienten bedeutet das: keine Narben.

Es ist die Rede vom transparenten Patienten. Was bedeutet das?

Bildgebende Verfahren wie die Computertomographie werden sich verfeinern. Wir bekommen immer genauere Abbildungen vom Körperinneren. Dadurch lassen sich z. B. Tumore frühzeitiger erkennen. Diese könnten dann eventuell ohne Operation mit einer gezielten medikamentösen Therapie bekämpft werden.

Was war für Sie in den letzten 20 Jahren eine der größten Errungenschaften in der Chirurgie?

Ganz klar die minimal-invasive Chirurgie. Das hat zur Verbesserung der Lebensqualität der Patienten geführt. Hinzu kommen die verbesserten perioperativen Möglichkeiten, so hat zum Beispiel die Sicherheit bei der Narkose enorm zugenommen. Allgemein hat sich in der Medizin in den letzten Jahren die Erkenntnis durchgesetzt, dass die Arbeit nur im Team funktioniert. Das war früher wesentlich hierarchischer.

Wo steht das Bethesda-Krankenhaus in 20 Jahren?

Wir wollen die Nummer eins bleiben bei der stationären Versorgung der Bergedorfer. Dafür müssen wir unser Leistungsspektrum ständig anpassen. Das tun wir in diesem Jahr mit der Eröffnung einer Geriatrie. Die Menschen werden immer älter. Das nehmen wir als Chance und wollen bewusst für die ältere Generation da sein.

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