Eklat bei der Bürgervorsteherwahl

Von Stefan Huhndorf

Schwarzenbek.
Die stärkste Fraktion hat das alleinige Vorschlagsrecht, wenn es um den oder in diesem Fall die Kandidatin für das Amt des Bürgervorstehers geht. Und üblicherweise akzeptieren die anderen Parteien diesen Vorschlag, indem sie dem Kandidaten eine breite Zustimmung erteilen. Nicht so am Donnerstagabend in Schwarzenbek.

Der Wahlkrimi ging bereits damit los, dass ein Stadtvertreter im Vorfeld den Antrag auf geheime Wahl stellte. Damit zeichnete sich schon zur Eröffnung der Sitzung ab, dass SPD-Kandidatin Kirsten Niemann nicht von allen Stadtvertretern mitgetragen werden würde. So war es auch schon einmal im Sommer 2008, als Jörn Kranacher (damals CDU, heute FWS) mit nur 60 Prozent der Stimmen zum Bürgervorsteher gewählt wurde.

Noch drastischer war es diesmal. Kirsten Niemann fiel im ersten Wahlgang durch. Mit 13 Jastimmen, 14 Neinstimmen und zwei Enthaltungen lehnte die Mehrheit die Sozialdemokratin ab. Ganz offensichtlich kam der Löwenanteil der Gegenstimmen von der CDU. Hinter vorgehaltener Hand hatten einige Politiker angedeutet, dass sie Roman Larisch (CDU) für den besseren Mann für dieses Amt hielten. Er ist stellvertretender Bürgervorsteher und hatte zwei Monate lang die Amtsgeschäfte geführt, nachdem Konrad Freiberg (SPD) zurückgetreten war.

Nach einer Sitzungsunterbrechung, einer Krisenrunde in der SPD und der Aussage von Kirsten Niemann: "Jetzt erst recht", schlug SPD-Fraktionschef Maik Picker seine Kandidatin erneut vor. Nach einer weiteren geheimen Wahl stand um 20.05 Uhr fest: Es hat gereicht, wenn auch nur knapp. 16 Jastimmen, zehn Neinstimmen und drei Enthaltungen sind zwar alles andere als ein Traumergebnis, aber damit hat Schwarzenbek seine erste Bürgervorsteherin. "Ich hoffe, Sie sagen in einiger Zeit alle, dass meine Wahl eine gute Entscheidung war", betonte die 47-Jährige.

Für das neue Amt räumt sie den Posten als Vorsitzende des Sozialausschusses. Auch diese Personalie war umstritten. Die SPD schlug Susanne Heyer-Borchelt vor, die in dieser Legislaturperiode bereits das Amt als Hauptausschussvorsitzende und zuletzt den Fraktionsvorsitz niedergelegt hatte. Auch ihre Wahl erfolgte geheim und mit zehn Gegenstimmen, 18 Jastimmen und einer Enthaltung.

Wie weit die großen Parteien in wichtigen Themen auseinander sind, zeigte auch die Diskussion um die alte Realschule, die demnächst Sammelunterkunft für Flüchtlinge wird. Die SPD will sie langfristig als Bildungszentrum nutzen, die CDU will dieses fünf Millionen Euro kostende Projekt endgültig beerdigen.