Winterfreuden

Jetzt fühlt sich ein Husky pudelwohl

Schwarzenbek (rz). "Ist das ein herrliches Winterwetter. Hoffentlich bleibt es noch lange so eisig", freut sich Jürgen Thiemann. Für den Huskybesitzer ist der Wintereinbruch kein Ärgernis, sondern ein Glücksfall.

Mehr als vier Stunden am Tag stapfen der 74-Jährige und sein Hund durch den Rülauer Wald bis nach Brunstorf, denn der Husky liebt Eis und Schnee über alles.

Während sich Thiemann mit einer dicken Jacke, Mütze und Handschuhen warm hält, schützt den fast 14 Jahre alten Mahruk sein dickes Fell. Nach einer langen Wanderung kuschelt er sich gern in eine Schneewehe, leckt an Eiszapfen oder frisst von dem erfrischenden Schnee. Zu Hause legt er sich dann stundenlang auf die Terrasse. Bei einem Schneesturm, könnte sich der Hund komplett einschneien lassen. Das Fell mit dem dicken, Wasser abweisenden Deckhaar und der feinen Unterwolle ist eine optimale zweischichtige Wärmedämmung. Außerdem sind die Pfoten klein, was Wärmeverlust entgegen wirkt. "Huskys sind eben etwas ganz Besonderes", sagt Thiemann.

Und sein Mahruk sowieso: 2008 holte Thiemann den Hund aus einer Tierauffangstation. Mahruk war bis auf 17 Kilogramm abgemagert. Zuvor war er wohl von seinen Besitzern, die ein ganzes Schlittengespann mit Huskys hatten, ausgemustert worden. Thiemann ließ den Hund medizinisch versorgen und päppelte ihn auf. Täglich bekommt Mahruk frisches Muskelfleisch vom Rind, Hühnermägen, Trockenfutter mit Gemüse, mal einen gefrorenen Fisch und Süßlippmuschelextrakt. Die Wirkstoffe dieses Pilzes sind gut für die Gelenke. So hat Mahruk über die Jahre Vertrauen zu Thiemann gefasst und muss wohl spüren, dass dieser mit Huskys jede Menge Erfahrung hat.

Dabei hat der ehemalige Schiffsbetriebsingenieur ganz unerfahren angefangen, als vor 20 Jahren die sieben Monate alte Huskyhündin Rushka in sein Leben trat. Weil seine Cousine den Welpen nicht behalten konnte, nahm Thiemann das Tier, das schon fünf Vorbesitzer hatte, zu sich - und sein Leben änderte sich schlagartig. Das Hündchen forderte Thiemanns Nervenstärke heraus. "In den ersten drei Monaten richtete sie in meiner Wohnung einen Schaden von 10 000 Mark an", erinnert er sich. Rushkas Lebenssinn bestand darin, zu erkunden, wie Sofa, Sessel und Autositze von innen aussehen. Sie zerbiss Teppiche und zerlegte Holzmöbel. Sie konnte nicht allein bleiben, und um heraus zu kommen, kratzte sie mit den Pfoten ein Loch durch die Wand neben der Haustür der Hamburger Mietwohnung. Thiemann begriff: Diese Hündin ist anders. Den Versuch, sie in einer Hundeschule zu erziehen, machte er erst gar nicht. Stattdessen beschäftigte er sich ausgiebig mit Rushka, um eine starke Bindung aufzubauen. "Wir machten stundenlange Wanderungen, meistens mit dem Fahrrad, quer durch Hamburg", erzählt er. Rushka war zwar anstrengend, aber auch faszinierend. Thiemann begann deshalb, sich mit nordischen Hunden zu beschäftigen, holte noch einen Husky dazu und zog aufs Land. In der Nähe von Trittau beschäftigte er sich viel mit Huskys und wird seitdem "Huskymann" genannt.

Zeitweise hatte er zwölf Huskys auf seinem Anwesen. Acht waren seine eigenen und vier waren Pflegehunde von der Nothilfe oder aus Tierheimen. Er kaufte Schlitten und Trainingswagen und fuhr mit den Hunden lange Strecken. Mahruk wird allerdings schon längst nicht mehr vor einen Schlitten gespannt. Gemeinsam mit ihm ist Thiemann vor fünf Jahren nach Schwarzenbek gezogen. Genau wie sein Herrchen hat auch der Husky schon weißes Haar. Beide genießen jetzt ihren Ruhestand bei langen Spaziergängen im verschneiten Rülauer Wald.