Amtsgericht Schwarzenbek

Zu schnell und ohne Führerschein im gestohlenen Auto unterwegs

Schwarzenbek (cus). Eigentlich schien alles klar: In einem Opel Meriva, der am 27. März 2012 in Geesthacht gestohlen wurde, ist Marvin T. mehrfach geblitzt worden. Dabei hat der 22-Jährige keinen Führerschein - zumindest keinen eigenen.

Stattdessen fanden Polizisten bei ihm die Fahrerlaubnis des bestohlenen Autobesitzers. In der Nähe von dessen Haus im Ortsteil Grünhof nahmen Beamte den Lauenburger in der Nacht zum 19. April auch fest - nachdem dort versucht wurde, ein Kellerfenster aufzubrechen.

Doch sieben Monate nach der Tat präsentierte der 22-Jährige dem Schwarzenbeker Amtsgericht eine ganz andere Version: Im März sei er in Berlin zu Besuch bei Verwandten gewesen und erst am 28. März zurückgekehrt - einen Tag nach dem Diebstahl. Dann habe er seinen alten Bekannten Frank H. in Geesthacht getroffen, der ihm ein Auto zum Kauf anbot - einen Opel Meriva. T. borgte sich das Auto aus und wollte es schließlich auch kaufen. "Moment mal", hakte Richterin Inga Opelland ein: "Sie haben doch gar keinen Führerschein." Antwort von T.: "Das stimmt. Aber in dem Moment hatte ich nur im Kopf, bei meinem Kind zu sein." Das Neugeborene, das schwer erkrankt zunächst in Bergedorf und dann in Rahlstedt im Krankenhaus lag, besuchten T. und seine Verlobte regelmäßig und nutzten dafür den Opel.

Weder habe er gewusst, dass der Wagen gestohlen sei, noch habe er versucht, in das Haus des Autobesitzers einzubrechen, erklärte der 22-Jährige: Weil er das Auto kaufen wollte, habe ihn sein Bekannter zu dem Haus in Grünhof mitgenommen, aus dem dieser die Papiere holen wollte. Frank H. ist seit dieser Nacht ebenso unauffindbar wie der gestohlene Opel.

Während der Verhandlung verstrickte sich T. zwar in Widersprüche, doch einiges klang durchaus plausibel. Außerdem könnten ihn seine Verwandten, bei denen er bis zum 28. März gewesen sein will, entlasten - doch die waren nicht zur Verhandlung erschienen. Deshalb wird der Prozess in der nächsten Woche fortgesetzt: Neben den Angehörigen soll auch der Polizist aussagen, der T. nach seiner Verhaftung vernahm.