Weihnachtsmarkt

Kommerz überlagert den Totensonntag

Basthorst (rz). Ohne stimmungsvolle Musik, Aufführungen und das beliebte Feuerwerk lief der Weihnachtsmarkt gestern auf dem Gut Basthorst ab, der das erste Mal schon vor der Adventszeit eröffnet wurde und auch am Totensonntag keine Pause hatte.

Auch in anderen Orten wie Potsdam, Halberstadt und Rostock öffneten die Märkte schon in der vergangenen Woche. Diese Weihnachtsmärkte setzten aber - anders als in Basthorst - am Totensonntag aus.

"Weihnachtsmarkt am Totensonntag: das wäre vor 20 Jahren undenkbar gewesen. Damals war auch nicht daran zu denken, dass im Radio Schlager oder Popmusik gespielt wurde oder im Fernsehen Komödien gezeigt wurden", sagte Hans-Dieter Rinke. "Öffentliche Tanzveranstaltungen am Sonnabend vor dem Volkstrauertag und dem Totensonntag waren um Mitternacht zu Ende, aus Respekt vor diesen Feiertagen." Der 75-Jährige war aus Hannover gekommen, um Bekannte zu besuchen und machte gestern den Bummel über den Markt auf dem Gut Basthorst, der wohl auch wegen des Regens nicht so gut besucht war wie an den Adventswochenenden.

Seine Frau Betty war mit gemischten Gefühlen mitgegangen. "Nein, solche Veranstaltungen sind weder am Volkstrauertag, noch am Totensonntag gut. Es geht ja auch darum, Mitgefühl zu zeigen mit Menschen, die um Verstorbene trauern. Das tun wir viel zu wenig", sagte sie. Auch Klara Kucz (76) aus Pinneberg kam ins Grübeln. "Ich mag diese aufgesetzte Trauer nicht, aber am Totensonntag geht es ja nicht darum, sondern um das Gedenken an die Verstorbenen. Richtig ist es nicht, dass dann der Markt abgehalten wird. Wir sind trotzdem gekommen, weil wir im Advent keine Zeit haben", erzählte sie.

"Der Kommerz überlagert den Totensonntag und auch die gesamte Adventszeit, die eine stille, dunkle Zeit ist. Wir bereiten uns in dieser Zeit auf das Ankommen des Lichts vor, spüren die innere Sehnsucht danach und werden empfangsbereit dafür", sagte Pastorin Christiane Klinge. Sie war verärgert, dass der Markt in Basthorst am Totensonntag stattfand. Im Kirchenjahr habe alles seinen Platz, die Trauer und das Feiern. "Ich glaube, dass es gut für die Seele ist, diese Zeiten einzuhalten."