Totensonntag

Jedes Grab ist anders

Schwarzenbek. Die trauernde Frau aus Bronzeguss auf dem Alten Friedhof an der Uhlenhorst kniet versunken an einem Grab. Ihre rechte Hand legt sie wie zur Besänftigung ihres Schmerzes auf die Brust. Der rechte Arm ist ausgestreckt, als wollte sie etwas niederlegen.

Jemand hat ihr eine Rose in die Hand gelegt, die nun längst vertrocknet ist. Die Skulptur auf einer Familiengrabstätte drückt Trauer aus - eine Form der Liebe und Zuneigung für Menschen, die nicht mehr da sind.

König ordnet Trauer an

Ihnen zum Gedenken ordnete König Friedrich Wilhelm III. von Preußen 1816 an, den letzten Sonntag des Kirchenjahres als "allgemeinen Feiertag zur Erinnerung an die Toten" zu begehen. Seitdem ist dieser Sonntag ein stiller Feiertag wie auch Allerseelen und Allerheiligen bei den Katholiken.

Familienmitglieder gehen gemeinsam an die Gräber, legen Blumen nieder und setzen Lichter neben die Grabsteine. Die Hinterbliebenen schmücken die Gräber mit Tannenzweigen, Gestecken, Kerzen und Engeln. "In vielen Orten werden regelrechte Kunstwerke mit Ornamenten aus Tannenspitzen verschiedener Farbtöne und mit Thuja-Zweigen gestaltet.

Schlichter Grabschmuck

Die Schwarzenbeker bevorzugen einen schlichteren Schmuck der Gräber. Viele haben sich ohnehin für Bodendecker entschieden, die nicht abgedeckt werden müssen", sagte Rainer Krolow, stellvertretender Friedhofsleiter in der evangelischen Kirchengemeinde. Dennoch fallen lebhafte Farben in den Wintergestecken auf. Zweige von getrocknetem Seegras, Disteln, Schilfkolben und kleine Holzfächer sind in Orange, Lila, Pink oder Gelb eingefärbt. Kleine Tafeln mit rührenden Botschaften wie "Ich denke an Dich" oder "Du lebst weiter" liegen manchmal dazwischen. Der Schmuck bleibt bis zum Frühjahr liegen, wenn die Sonne mit Schneeglöckchen und Krokussen neues Leben aus der Erde lockt.

Tod ist ein Tabu

Der Totensonntag ist nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Verstorbenen, sondern rückt auch die eigene Vergänglichkeit in den Vordergrund. "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden", heißt es in der Bibel (Psalm 90/12). Der Tod ist ein Tabu, er ist mit Mythen umgeben, der Gedanke an ihn wird vermieden, er beschwert das Leben und holt Ängste hervor. Wenn man vom Tod redet, dann kommt er auch, ist ein Mythos. Nicht jeder kann der Wahrheit so ins Auge sehen wie der 2011 an Krebs verstorbene Apple-Gründer und Erfinder Steve Jobs: "Der Tod ist möglicherweise die beste Erfindung des Lebens. Niemand ist ihm jemals entkommen. Er ist der Vertreter des Lebens für die Veränderung. Es räumt das Alte weg, um Platz zu machen für das Neue."

Neue Bestattungsformen

"In den letzten Jahren sind die Menschen offener geworden, was ihr eigenes Sterben und ihr Begräbnis angeht. Viele kommen in die Friedhofsverwaltung, um sich über ihre mögliche Grabstätte zu informieren. Sie treffen Anordnungen über ihr Begräbnis und die Pflege des Grabes", weiß Matthias Schmieder, der 20 Jahre lang Friedhofsleiter in Schwarzenbek war und jetzt nach Bad Bevensen geht. In dieser Zeit hat sich der Neue Friedhof an der Möllner Straße erheblich gewandelt. Vor 20 Jahren gab es nur Wahl-, Reihen- und Urnengräber.

In den letzten Jahren entstanden Besonderheiten wie das "Blaue Grabfeld", deren Steine und Bepflanzung in der Farbe Blau gehalten ist und der "Rhododrendronhain" mit den Gräbern unter den im Frühjahr üppig blühenden Gehölzen. Seit 2010 bietet die evangelische Kirchengemeinde als erste in Schleswig-Holstein Urnenstelen für die Bestattung an. Sie sind bis zu 2,50 Meter hoch und aus rötlichem Betonstein gefertigt.

2011 entstand auch das "Sonnenfeld". Es heißt so, weil die Gräberreihen strahlenförmig angeordnet und nach Süden ausgerichtet sind. Auf den Beeten wachsen mediterrane Pflanzen. Dahinter gibt es weitere neue Grabformen: die Urnenwand und die Möglichkeit, Verstorbene fast wie in einem Friedwald unter jungen Birken bestatten zu lassen. Individuell, pflegeleicht und preiswert wünschen sich die Menschen Bestattung und Grabpflege. "Der Trend geht aber weg von den anonymen Gräbern. Viele Menschen sehnen sich wieder nach einem Grab, das individuell an den Verstorbenen erinnert", so Schmieder.

Gottesdienste

Die evangelische Kirchengemeinde feiert am Ewigkeitssonntag den Gottesdienst um 9.30 Uhr in der St.-Franziskus-Kirche. Um 14 Uhr gibt es eine Andacht mit dem Posaunenchor auf dem Alten Friedhof an der Uhlenhorst. Um 15 Uhr beginnt die Andacht mit dem Posaunenchor auf dem Neuen Friedhof, Möllner Straße.