Großprojekt

Gut Lanken verliert seine Bewohner

Schwarzenbek/Lanken. Riesenandrang zum Finale: Hunderte Besucher kamen am Sonntag zum wohl letzten Martinsmarkt auf das Gut Lanken. Mehr als 30 Kunsthandwerker boten ihre Waren an.

Die Bewohner sowie die Beschäftigten des Gutes verwöhnten die Gäste im Hofcafé mit Torten, buken Plätzchen mit den Kindern, luden in die Märchenstube ein und kochten eine deftige Gulaschsuppe für die Besucher.

Aber damit ist nun Schluss. Denn die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft verlässt im nächsten Jahr ihr langjähriges Domizil nahe Elmenhorst. Am Freitag kaufte sie zwei Grundstücke in Louisenhof - einem Ortsteil von Müssen an der K 29 - und wird nun direkter Nachbar Schwarzenbeks. Die Siedlung ist nur einen Kilometer von der Stadtgrenze entfernt.

Viereinhalb Hektar Ackerland sowie zweieinhalb Hektar Wald und bebaute Grundstücke gehören nun dem Gut Lanken. Für Ende 2013 ist der Umzug nach Louisenhof geplant. "Wir wollen dort unser Konzept weiter verwirklichen, Wohnungen für unsere behinderten Bewohner bauen. Sie haben dort auch Arbeit - unter anderem in unserem Garten- und Landschaftsbaubetrieb", freut sich Holger Rosenberg.

Viele neue Ideen möchte der Betriebsleiter mit seinem Team dort umsetzen, einen schönen Innenhof gestalten, einen kleinen Tierpark in dem zum Anwesen gehörenden Buchenwald einrichten und einen Radweg zur B 209 bauen, damit die Bewohner sicher nach Schwarzenbek kommen.

Dort hat die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft im letzten Jahr bereits zwei neue, große Projekte gestartet. Sie kaufte das 200 Jahre alte Amtsgericht an der Compestraße, das zuletzt als Gefängnis diente, und baut es aus. 17 Wohnungen für Behinderte, ein Hofladen und ein Café sollen dort entstehen. Eigentlich sollte es damit schon längst losgehen. Doch noch immer liegt die Baugenehmigung nicht vor. "Wir erwarten sie in den nächsten zwei Wochen. Für ein Projekt in einem denkmalgeschützten Haus müssen zwölf Behörden ihr Okay geben. Wenn die Genehmigung da ist, fangen wir sofort an mit dem Entkernen des Gebäudes", sagt Rosenberg. Die Eröffnung ist für Ende 2013 vorgesehen.

Auf Hochtouren läuft auch ein weiteres Projekt in Schwarzenbek: Neben der neuen Miettextilfirma Niessing, die ihren Standort von Bocholt in das Schwarzenbeker Industriegebiet verlegte (wir berichteten), errichtet die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft eine Großküche und eine Kantine, um einen Mittagstisch für die Beschäftigten des Gewerbegebietes anzubieten. Dort ist auch die Kaminholzproduktion und der Garten- und Landschaftsbau mit Gewächshäusern angesiedelt. Außerdem wird die Lebens- und Arbeitsgemeinschaft eine kleine Wäscherei bauen und mit der Firma Niessing kooperieren. Bewohner des Gutes werden bei Niessing arbeiten. Das Training dafür hat begonnen.

Derzeit leben und arbeiten auf dem Gut Lanken 46 Menschen mit Behinderungen. 40 weitere sind auf dem Gut beschäftigt.