Volkstrauertag

Mahnmal statt Heldengedenken

Schwarzenbek (cus). Bevor Bürgermeister und Pastoren am Volkstrauertag, der diesmal auf den 18. November fällt, ihre Reden halten, kommen die Mitarbeiter der städtischen Bauhöfe und reinigen die Gedenkstätten - oft entfernen sie dann auch Nazi-Schmierereien.

Das ist eine Erfahrung, die nicht nur Ratzeburgs Bürgermeister Rainer Voss machen musste. "Das Gedenken an die Opfer der Kriege und des Terrors wird missbraucht von Rechtsextremisten, die auch andere Termine wie den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober oder den 17. Juni für ihre Zwecke umdeuten", sagt Voss, der Anfang des Jahres selber Ziel rechter Morddrohungen war.

Die Deutungshoheit über die Geschichte und den Umgang damit zurückgewinnen, will nun ein breites Bündnis mit Voss, Pröpstin Frauke Eiben sowie den Archivaren Christian Lopau und Dr. William Boehart an der Spitze. Im Franziskushaus der evangelischen Kirche am Markt stellten sie gestern das Aktionsprogramm rund um den Volkstrauertag vor. Am 23. November jährt sich auch der Brandanschlag von Mölln: 1992 hatten Neonazis Brandsätze auf von türkischen Familien bewohnte Häuser geschleudert. In den Flammen kamen zwei Mädchen und deren Großmutter ums Leben.

Mit einer Podiumsdiskussion wird daran am Freitag, 9. November, im Stadthauptmannshof, Hauptstraße 150, in Mölln erinnert. Im Gemeindesaal der Bismarck-Gedächtniskirche in Aumühle (12. November) sowie in der Ratzeburger Petri-Kirche (14. November) geht es dann um den Umgang mit den Kriegerdenkmalen im Kreis. "Wo Geschichte nicht aufgearbeitet, sondern verdrängt wird, lässt unsere bürgerliche Zivilgesellschaft Raum für Umdeutungsversuche von Rechts", fordert Boehart einen neuen Umgang mit den Denkmalen.

Mit der Gefahr durch den Rechtsextremismus im Kreis beschäftigt sich am Sonnabend, 17. November, ein Seminar in Mölln: Themen werden der Brandanschlag, aber auch die Geesthachter Dönitz-Affäre sein. Am Volkstrauertag am 18. November plant dann der Lauenburgische Kunstverein eine Aktion auf allen Gedenkfeiern, bevor die Aktionswochen am 22. November mit einem Vortrag über den "Rechtsextremismus im Norden" im Krügerschen Haus in Geesthacht enden.