Papiertheater

Premiere nach japanischem Vorbild

Schwarzenbek (rz). Kamishibai - das japanische Papiertheaterspiel - gibt es jetzt auch in der Stadtbücherei. Während der ersten Vorstellung am Mittwochnachmittag las Bibliothekarin Stefanie Rathje das Buch "Abgeschlossen" von Marjan de Smet und Marja Meijer vor.

Leiterin Perdita Schadow schob dazu die großen Bogen mit bunten Illustrationen in den bühnenähnlichen Holzrahmen, vor dem die Kinder saßen. Hören und gleichzeitig die Bilder anschauen - das förderte die Fantasie der Kinder. Sie kommentierten eifrig die Geschichte über ein Mädchen, das sich versehentlich in einer Toilette einsperrte. "Da muss die Feuerwehr mit dem Spreizer kommen", riet Corvin Bethien (6). "Diese Erzählweise fördert das Sprechen, das Lesen und den Zugang zu Büchern. Wir werden künftig noch mehr Vorstellungen anbieten", sagte Stefanie Rathje.

Entstanden ist das Kamishibai zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Japan. Süßigkeitenverkäufer fuhren mit dem Fahrrad durch die Dörfer und Städte. Auf dem Gepäckträger war ein Holzrahmen befestigt, in den sie die Tafeln mit den Bildern einlegten und ihre Geschichten vortrugen. Die Vorstellung war kostenlos, den Unterhalt verdienten sich die Erzähler mit dem Verkauf von Süßigkeiten. Um 1950 gab es in Japan etwa 10 000 Kamishibai-Erzähler und täglich fünf Millionen Zuschauer. In Tokio arbeiteten über20 Unternehmen, die Kamishibai-Bilder produzierten. Einige Illustratoren wurden bekannte Comic-Zeichner.