Bildung

Zäher Kampf um einen Schulplatz

Leons Mutter Nadine Vitz ist verzweifelt, dass es so schwierig ist, einen Platz für ihren Sohn zu finden: "Dabei haben wir doch die Schulpflicht und auch das Recht, in die Schule zu gehen", so die Schulendorferin.

Sie fühlte sich allein gelassen und wandte sich an den Vorsitzenden des Kreiselternbeirates Thomas Waskow, der sie dann beim Ringen um eine Schule für Leon unterstützte.

Vom Schulamt des Kreises Herzogtum Lauenburg wurde Leon zunächst der Grundschule in Müssen zugewiesen. "Die Schule hat kein Fachpersonal für Leon. Deswegen habe ich Widerspruch eingelegt. Und damit begann das Theater", erzählte die allein erziehende Mutter zweier Söhne. Anfang Juni gab es ein "Koordinierungsgespräch", bei dem Vertreter verschiedener Förderzentren und Schulen anwesend waren. Heraus kam, dass der Junge das Landesförderzentrum in Wentorf besuchen soll. Damit war allerdings die zuständige Schulrätin Dagmar Lorenzen nicht einverstanden. Grund: Dieses Förderzentrum wird in zwei Jahren geschlossen.

Danach wurde Nadine Vitz zum Fachausschuss nach Ratzeburg bestellt, an dem die Schulrätin Dagmar Lorenzen sowie Amtsmediziner und Schulleiter teilnahmen. Der Ausschuss kam nach kurzer Beratung und einem Blick in die Akten zum Ergebnis, dass Leon auch motorisch eingeschränkt sei und e in die Matthias-Leithoff-Schule (Lübeck-Travemünde) gehen soll.

"Ich war fassungslos. Das konnte ich nicht hinnehmen, denn der Weg ist viel zu weit. Die Schule ist 78 Kilometer von Schulendorf entfernt", sagte Nadine Vitz, die sofort Widerspruch einlegte. Denn Leon wäre insgesamt mehr als vier Stunden täglich unterwegs gewesen.

Daraufhin schlug ihr Lorenzen die Hachedeschule in Geesthacht vor. Nadine Vitz lehnte auch diese Lösung ab: "Dies ist eine Schule für geistig behinderte Kinder und bietet keinen Schulabschluss. Das kann ich nicht machen. Leon muss lernen, einen Beruf haben und später auf eigenen Füßen stehen können."

Ihr Widerspruch und Leons Akte wurden an das Ministerium für Bildung und Wissenschaft nach Kiel geleitet. Von dort gab es auch endlich einen guten Vorschlag: Leon könnte in Hamburg die Schule Tegelweg besuchen. Dort gibt es individuelle Förderpläne und Therapien. Leon kann sogar bis zum Haupt- oder Realschulabschluss geführt werden. Alles passte. Auch die Schule bestätigte, Leon aufnehmen zu können. Doch es galt, noch einige Hürden zu nehmen.

Die Mutter musste beim Bildungsministerium einen Antrag stellen, damit Leon in einem anderen Bundesland, zur Schule gehen kann. Erst nach der Genehmigung kann der Kreis Herzogtum Lauenburg für die Beförderung sorgen. Nadine Vitz stellte den Antrag am 31. August. Sechs Tage später wandte sie sich an uns. Nach einem Anruf unserer Redaktion bestätigte die Pressesprecherin des Bildungsministeriums in Kiel, Patricia Zimnik, am Donnerstag: "Dem Antrag der Familie auf Freigabe der Beschulung nach Hamburg ist jetzt stattgegeben worden. Leon kann ab morgen in die Schule gehen."

Aber das konnte er eben nicht, denn nun war noch zu klären: Wie kommt Leon in die Schule? Seine Mutter kann ihn nicht bringen und abholen, denn sie arbeitet bei einem ambulanten Pflegedienst in Schichten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln schafft der Junge das nicht. Deshalb war die Kreisverwaltung in Ratzeburg als Schulträger gefordert.

Schulrätin Katrin Thomas, seit dem 1. September neu im Amt, versicherte, schnellstens die Fahrt für Leon zu organisieren. Und sie hat Wort gehalten. Gestern blieb Leon noch zu Hause, am Mittag kam die Nachricht: Leon wird heute um 8.10 Uhr vom ASB in Schulendorf abgeholt. Dann hat er seinen ersten Schultag.

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