Fasten

Eine ganz persönliche Nähe zu Gott

Schwarzenbek. Durst - der gehört für Sabahattin Perktas in diesen Tagen dazu. "Bei der Hitze ist es schwer, den ganzen Tag nichts zu trinken", sagt der Iman der Serrah Moschee an der Kollower Straße. Seit letzter Woche ist Ramadan und als gläubiger Muslim fastet Perktas jeden Tag bis zum 19. August.

"Wir essen und trinken erst, wenn es dunkel wird", erklärt er. Fasten gehört auch zum christlichen Glauben: Von Aschermittwoch bis Karsamstag verzichten gläubige Christen oft auf bestimmte Nahrungsmittel oder Gewohnheiten.

Zwei Religionen, eine Tradition. Grund genug, eine interreligiöse Veranstaltung zu organisieren dachten sich die Mitglieder des Islamisch-Türkischen Kulturvereins Ditib, dem Träger der Moschee, und der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Schwarzenbek. Und so laden Iman Sabahattin Perktas und Pastor Andreas Schöer für Freitag, 10. August, um 16 Uhr zu einer Infoveranstaltung in das Franziskushaus am Markt 5 ein. "Hier wollen wir über die Bedeutung des Fastens in den verschiedenen Religionen sprechen", sagt Schöer.

Am Tag darauf, am Sonnabend, 11. August, lädt die muslimische Gemeinde um 20.50 Uhr zum interreligiösen Fastenbrechen in die Serrah Moschee an die Kollower Straße 8. "Jeder kann kommen, wir haben 300 Plätze und jede Menge zu essen und zu trinken", kündigt Kaya Ugur von der muslimischen Gemeinde an. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern des DRK werden die Moscheemitglieder die Gerichte vorbereiten. Baklava, Reis- und Fleischspezialitäten werden unter anderem angeboten. Das Bundesprogramm "Toleranz fördern Kompetenz stärken" unterstützt das Fastenbrechen der Moschee mit etwa 2500 Euro. "Wir kaufen davon Lebensmittel für unsere Gäste, bezahlen eine Schulung des Gesundheitsamtes und Plakate", sagt Kaya Ugur.

Er nimmt schon seit er denken kann am Ramadan teil. "Früher bin ich schon mal aggressiv geworden, wenn ich Hunger hatte, inzwischen ist das nicht mehr so", erzählt er. "Das Fasten lehrt uns geduldig zu sein, Hunger zu ertragen. Es bringt uns dazu, mehr Mitgefühl mit Menschen zu haben, die wirklich Hunger leiden", sagt Iman Perktas. "Außerdem ist der Ramadan ein Gebot Gottes, das wir als Muslime einhalten möchten."

"Die Christen fasten in Erinnerung an das 40-tägige Fasten von Jesus", sagt Pastor Schöer. Mit Luther kam dieser Brauch zwar aus der Mode, seit Anfang der 80er-Jahre setzt sich das Fasten vor der Osterzeit bei evangelischen Christen aber wieder durch. "Es geht darum, ganz bewusst auf ein bestimmtes Nahrungsmittel oder eine Gewohnheit zu verzichten", sagt Schöer.

So aß seine Familie während der letzten Fastenzeit kein Fleisch. "Das war schwierig, gerade wenn wir auswärtig essen waren", erinnert sich Schöer: "Letztlich gewinnt man durch den Verzicht aber an Freiheit. Indem man es schafft, sich von einer Gewohnheit zu lösen, wird man freier". Und wie fühlt man sich nach der Fastenzeit? "Wie ein Superheld", sagt Perktas. "Denn dann hat man quasi ein Upgrade zwischen sich und Gott geschaffen, die Beziehung ist enger geworden. Man fühlt in etwa die Freude, die es in einem auslöst, wenn man ein Kind zum Lachen bringt."