Kirchenfenster

Buntes Bleiglas im Abstellraum

Schwarzenbek (cus). Mit einer dreiteiligen Predigtreihe über die kunstvollen Glasfenster der St.-Franziskus-Kirche werben die Pastoren um Spenden für die Erneuerung der brüchigen Seitenfenster des Sakralbaus.

Den Auftakt machte am vergangenen Sonntag Pastorin Angelika Gogolin, die sich in ihrer Predigt dem großen, runden Glasbild über dem Altar widmete. Auch Siegfried Assmann (87), der vor 56 Jahren das Fenster gestaltet hatte, war anwesend (wir berichteten).

Am morgigen Sonntag wollte Pastorin Christiane Klinge ein weiteres Werk Assmanns vorstellen: das Fenster über dem Kirchenportal. Doch es gibt noch ein drittes Glasbild. Nach mehr als einem halben Jahrhundert konnte sich der Künstler zwar nicht mehr daran erinnern, doch das runde Glasbild, das die Seelsorgerin im Heizungskeller des Franziskushauses am Markt 5 fand, trägt ganz eindeutig auch Assmanns Handschrift. Hinter einer Weihnachtskrippe und neben allerlei anderen Utensilien wartet es dort bereits seit 13 Jahren auf seine weitere Verwendung.

Die Erklärung, warum das Bleiglasbild im Keller steht, fand die Pastorin im Archiv: Der damalige Kirchenvorstand mit den Pastoren Hess und Tenbrink hatte 1954 drei Glasbilder bei Assmann in Auftrag gegeben. Während das große Fenster wie geplant im Altarraum installiert wurde, sollten die zwei kleineren Rundfenster auf beiden Seiten des Kirchenraums eingebaut werden. Doch dann sei ein Architekt des Kirchenbauamtes aus Lübeck gekommen und habe die Planungen umgestoßen: In die Seitenwände wurden stattdessen jeweils zwei kleine und ein großes Spitzbogenfenster eingebaut, die auch heute noch zu sehen sind. Assmann selbst baute eines seiner Fenster um, damit es über die Kirchentür passte.

Für das dritte Fenster gab es zunächst keine Verwendung, bis im Jahr 1966 die Kapelle auf dem Alten Friedhof an der Uhlenhorst erweitert wurde. Als der Bau 1999 abgerissen wurde, landete es im Heizungskeller des Gemeindehauses. Klinge wird in ihrer Predigt aber nicht nur auf die Geschichte der Fenster eingehen, sondern auch die theologische Aussage der Glasbilder erläutern. Alle drei bilden eine Art "Triptychon" und weisen auf die Neuorientierung der evangelischen Kirche nach dem Ende des Dritten Reiches hin.

Der Gottesdienst in der St.-Franziskus-Kirche an der Compestraße beginnt am Sonntagmorgen um 9.30 Uhr.