BUND-Aktion

Mehr Schutz für zwölf erhabene Bäume

Schwarzenbek (cus/sh). Sie ist ein wirklich "erhabener" Baum. Die Eiche am Ende der Dr.-Gustav-Frank-Straße überragt die ringsherum stehenden Häuser um viele Meter. Dass sie kaum ein Schwarzenbeker kennt, liegt daran, dass sie am Ende einer Sackgasse steht - und das schon seit 100 Jahren.

"Mein Großvater hat den Baum damals mit seiner Verlobten gepflanzt", erinnert sich Jutta Mützelfeld. Dr. Walter Frank hatte im Jahr 1912 das Doktorhaus an der Lauenburger Straße bezogen. In der hintersten Ecke des damals riesengroßen Gartens pflanzte er die Eiche, als Symbol für die Liebe zu seiner künftigen Frau, die ihm vier Töchter gebar.

Aus dem ehemaligen Garten des Doktorhauses ist längst eine zentrumsnahe Wohnsiedlung für Familien geworden, und auch das Haus des Arztes hat inzwischen neue Besitzer (wir berichteten). Die Eiche jedoch steht noch immer an derselben Stelle und beschert den Bewohnern im Sommer Schatten und im Herbst jede Menge Eicheln und Laub.

Es sind Geschichten wie diese, die Dr. Lutz Fähser vom BUND und seine Mitstreiter bei dem kreisweiten Projekt "12 erhabene Bäume im Lauenburgischen" zutage fördern möchten. "Es weiß kaum jemand, dass Napoleon auch hier im Kreis schnell wachsende Pappelalleen gepflanzt hat, um seine Truppen auf den langen Märschen vor dem Wetter zu schützen. Im Sommer spendeten sie Schatten, im Winter hielten sie Schnee und Wind von den Soldaten ab", erzählt Fähser.

Gemeinsam mit der Herzogtum Lauenburg Marketing und Service Gesellschaft (HLMS) und der Kreissparkasse sucht der BUND jetzt ortsbildprägende alte Bäume oder Baumgruppen, um diese unter Schutz zu stellen und mit Hinweistafeln deren Geschichte zu erzählen.

Bereits seit 30 Jahren wurden im Herzogtum nach BUND-Angaben keine Bäume mehr unter Schutz gestellt. Außerdem habe die CDU-FDP-Landesregierung noch kurz vor ihrer Abwahl im Mai dieses Jahres den Weg dafür freigemacht, dass auch alte Bäume leichter abgeholzt werden können.

"Wir wollen zum einen die Bäume schützen, zum anderen aber auch die Menschen für den Wert dieser Pflanzen sensibilisieren, die noch lange am Wegesrand stehen werden, wenn wir schon längst tot sind", sagt Fähser.

Wer einen schützenswerten Baum oder eine Baumgruppe kennt und im Idealfall auch eine Geschichte dazu erzählen kann, sollte sich mit dem BUND in Verbindung setzen. Ein digitales Foto mit einer Erläuterung und einer genauen Beschreibung des Standorts kann per E-Mail an erhabenebaeume@bund-herzogtum-lauenburg.de geschickt werden. Baumliebhaber können sich aber auch direkt an Dr. Lutz Fähser unter Telefon (0 45 43) 70 26 wenden. Die Vorschläge werden noch bis zum 15. August gesammelt, dann entscheidet eine Jury darüber, welche zwölf Bäume in das Projekt aufgenommen werden. Mitglieder des Gremiums sind unter anderem Günter Schmidt (HLMS), Dr. Wolfram Eckloff (Naturkundemuseum Lübeck) und Förster Eckhard Kropla.