Kunstschmied

Federn werden zu Schwertern

Kankelau (pas). Das Feuer brennt jetzt gut. Sören Binger pustet von unten noch etwas Luft in den Ofen, die Kohlen glühen auf.

Der junge Mann ist zufrieden. "900 Grad muss es heiß sein", sagt er. Das ist die Temperatur, die der Kunstschmied braucht, um an seiner Stahlklinge weiterzuarbeiten. Aus einer alten Lkw-Feder schmiedet der 29-Jährige ein Messer. Der Stahl glüht rot und Binger zieht das Metall mit seiner Zange aus den Kohlen, legt es auf den Amboss und lässt den zwei Kilo schweren Hammer darauf niedersausen. Wieder und wieder tut er das, dreht den Rohling dabei immer in einen etwas anderen Winkel. Das ohrenbetäubende "Ping-Ping-Ping", die heiße Ascheluft stören ihn nicht. Sören Binger ist jetzt in seinem Element. Er arbeitet hoch konzentriert.

Seine Kunst- und Klingenschmiede in Kankelau ist Bingers Traum. Der 29-Jährige wollte Schmied werden, seit er denken kann. "Auf Mittelaltermärkten habe ich den Schmieden schon als Kind immer gerne über die Schulter geschaut", erzählt er. "Mich hat es fasziniert, wie viele Formen man aus Kupfer oder Bronze machen kann." Sören Binger begann alles über das Mittelalter und das Schmiedehandwerk zu lesen, was er in die Finger bekam. Und er besuchte Workshops. "Mit sechs Jahren habe ich mein erstes Messer geschmiedet", erzählt Binger. Es folgte ein Schulpraktikum bei einem Schmied und nach seiner Zeit auf der Grund- und Regionalschule Schwarzenbek Nordost im Jahr 2001 die Ausbildung in einer Schmiedebauschlosserei in Mühlenrade und in der Berufsfachschule Eckernförde.

Seit 2007 hat der Kankelauer seine eigene Kunst- und Klingenschmiede im Talkauer Weg. Auf 25 Quadratmetern hat er sie in einem alten Stall im Haus seiner Eltern eingerichtet, hat den alten Futtertrog für die Pferde entfernt, Durchgänge zugemauert, eine schwere Holztür in den Eingang gesetzt und sich einen Amboss aus dem Jahr 1915 angeschafft. "Das ist das Herzstück meiner Werkstatt. Früher war der Amboss in der Ausbildungswerkstatt der Bundespost", erzählt Binger.

Kupfer, Bronze, Messing, Damast, Silber und Stahl werden auf Sören Bingers Amboss zu Kerzenständern, Schürhaken, Dreibeinen, an denen man Feuertöpfe aufhängen kann, und vor allem zu Messern und Schwertern. Denn Klingen haben es dem Kankelauer besonders angetan. "Ich mache eben gerne Dinge, die auch eine Funktion haben", sagt er. Nachdem er mit dem Bleistift eine Skizze des Messers angefertigt hat, steht er im Schnitt gut drei Stunden lang an Feuer und Amboss, um aus einer alten Stahlfeder oder einem anderen Metallteil eine Klinge herzustellen. "Anschließend schleife ich die, erhitze sie danach noch mal auf 800 Grad und tauche die Klinge in Öl ein - so wird sie hart", erläutert der Kunstschmied. Als nächstes zeigt er sein Handwerk am 1. Juli bei der Ausstellung Brot und Kunst in Kankelau und am 14. und 15. Juli beim Kunsthandwerkermarkt in Siebeneichen. Weitere Informationen unter: (0 41 56) 8 20 96 82.