Kooperation

Funkstille in Stadt und Dörfern

Schwarzenbek. Im Jahr 1950 war die damalige Gemeinde Schwarzenbek aus dem gleichnamigen Amtsverband ausgeschieden, hatte drei Jahre später das Stadtrecht erhalten.

Das Verhältnis zwischen der Stadt und den umliegenden Gemeinden ist seitdem nicht immer ganz ungetrübt. Die Dörfer blicken misstrauisch auf den "Landhunger" der Stadt, die bei Neubaugebieten und Gewerbeflächen mittlerweile an ihre Grenzen gestoßen ist, und fürchten, die hoch verschuldete Kommune wolle sich auf Kosten der Umlandgemeinden sanieren.

Zwar kooperieren Stadt- und Amtsverwaltung seit einem Jahr im EDV-Bereich, doch von einer festen Partnerschaft sind beide Seiten noch weit entfernt. Das wurde im Amtsausschuss, in den die 19 Umlandgemeinden ihre Vertreter entsenden, deutlich. Als Klaus Hansen, Amtsvorsteher und Bürgermeister von Kankelau, seine Amtskollegen über Gespräche mit Schwarzenbeks Verwaltungschef Frank Ruppert unterrichten wollte, winkten diese schon ab: Über den "Flurfunk" hatten sowohl die Bürgermeister als auch die Mitarbeiter der Amtsverwaltung bereits von den zuvor als "vertraulich" vereinbarten Gesprächen erfahren.

Hansen platzte der Kragen: Er sagte alle weiteren Gespräche mit der Stadt ab. "Wenn man eine Sache so anfängt, wird man sie niemals zu einem guten Ende bringen", kritisiert der Amtsvorsteher die Indiskretion. "Ich wollte mir eigentlich die Zustimmung der Bürgermeister für weitere Gespräche mit der Stadt einholen", sagt Hansen. Das Misstrauen gegenüber Schwarzenbek werde durch dieses Vorgehen nur weiter genährt. Ruppert ist die Sache sichtlich peinlich: "Sollten wir ermitteln können, wer das 'Leck' ist, wird es für diesen Mitarbeiter ernsthafte Konsequenzen geben."

Nach Informationen unserer Zeitung liegt der Zeitpunkt der Indiskretion eine gute Woche zurück: In weinseliger Stimmung sollen ein oder mehrere Rathausbedienstete auf dem WVS-Weinfest gegenüber ihren Kollegen aus der Amtsverwaltung Interna über eine noch stärkere Zusammenarbeit beider Verwaltungen ausgeplaudert haben. An der Gülzower Straße 1, dem Sitz der Amtsverwaltung, sorgen sich Mitarbeiter seitdem um ihren Arbeitsplatz. "Es gibt noch gar keine Verhandlungen", stellt der Amtsvorsteher klar. Es handele sich um ein sensibles Thema, das die Dörfer keinesfalls vor dem Hintergrund der schlechten Haushaltslage Schwarzenbeks betrachten würden, so Hansen: "Unsere Eigenständigkeit als Amt werden wir auf jeden Fall bewahren."