Beirat

Jugendliche wahren ihre Neutralität

Schwarzenbek. Das war eine kleine Sternstunde: Freundlich, aber konsequent und bestimmt wiesen die Mitglieder des Schwarzenbeker Kinder- und Jugendbeirats (SKJB) Geschenke, die ihnen von den politischen Parteien während der Sitzung des Gremiums am vergangenen Dienstag angeboten wurden, zurück.

"Wir haben uns im Vorwege Gedanken darüber gemacht und sind uns einig: Wir wollen uns nicht vereinnahmen lassen", erklärte Beiratsmitglied Maike Schäfer (19).

Dabei war das Angebot, dass der Stadtverordnete Bernhard Hildebrandt (FDP) den Jugendlichen unterbreitete, durchaus gut gemeint: Seit drei Jahren fordern die Liberalen vergeblich eine Absenkung der Sitzungsgelder und Aufwandsentschädigungen, die sich in Schwarzenbek am landesweiten Höchstsatz orientieren. Jetzt wollen die Fraktionsmitglieder Teile ihrer Sitzungsgelder spenden - zu gleichen Teilen an den Senioren- sowie den Kinder- und Jugendbeirat. Doch die lehnten freundlich ab. "Es reicht, dass wir in dieser Frage voran gegangen sind", erklärte Schäfer. Der Kinder- und Jugendbeirat hatte im vergangenen Herbst die eigene Entschädigungssatzung reformiert: Bisher erhielten nur die drei Sprecher ein Sitzungsgeld in Höhe von 31 Euro, jetzt bekommen es alle sieben Beiratsmitglieder - allerdings nur noch die Hälfte der bisherigen Summe. Tipp von Beiratssprecher Melf Johannsen (18) an Ex-Lehrer Hildebrandt (74): "Spenden sie es doch dem Jugendtreff. Der kann das Geld in der Umzugphase sicher gut gebrauchen."

Eine Abfuhr holte sich auch Bettina Schneider: Sie wollte als Mediator und Coach den Beiratsmitgliedern einen Workshop zum Thema Nachhaltigkeit anbieten. Doch Schneider ist auch Vorsitzende des Ortsverbandes von Bündnis 90/Grüne. "Der Kinder- und Jugendbeirat muss parteipolitisch neutral sein. Wir können so ein Angebot deshalb nicht annehmen", beschied Johannsen der Politikerin und empfahl ihr, den Workshop doch im Rahmen des Jugendtreffs oder des Ferienprogramms des Stadtjugendrings (SJR) anzubieten. Als Privatpersonen würden die Beiratsmitglieder dann auch gerne den Workshop besuchen, so Schäfer.

Nachwuchswerbung

Zweites Thema: Im kommenden Jahr wird der Beirat neu gewählt. "Wir machen uns ein bisschen Sorgen um den Nachwuchs", bekannte Johannsen. Der Grund: Er und Maike Schäfer werden ab Herbst kürzertreten, um ihr Abitur zu machen. Bei der Wahl im Sommer 2013 werden die beiden Gründungsmitglieder nicht wieder antreten.

Mit einer Jugendmoderator-Ausbildung sollen bis dahin interessierte Jugendliche fit für das Amt gemacht werden. Für die Mehrzahl der aktuellen Beiratsmitglieder war so ein Workshop vor vier Jahren der Einstieg in die Jugendarbeit. Diesmal soll die Ausbildung noch breiter angelegt werden, da es inzwischen gute Kontakte zu den Schülervertretungen gibt. Ein grober Zeitplan sieht vor, noch in diesem Jahr mit ersten Werbeveranstaltungen in den Schulen zu beginnen und 2013 zwei große Workshops anzubieten.

Das Geld dafür sei vorhanden, versicherte Matthias Beck vom Fachdienst Kinder- und Jugendförderung des Kreises. Neben Landesmitteln kämen Gelder des Lokalen Aktionsplans (LAP) in Frage. Beck empfahl den Beiratsmitgliedern jedoch auch, sich für das Projekt "peer³" des Instituts für Medienpädagogik in München zu bewerben. Mit jeweils 5000 Euro werden bis 2014 deutschlandweit 20 Modellprojekte gefördert.