Ausstellung

Eine Lady aus London...

Gülzow (cus). Für 123 Jahre regierten die Könige von Hannover auch das Königreich England. Diese Personalunion endete 1837 mit dem Tode König von William IV.

Der hatte zwar nur sieben Jahre regiert, zuvor jedoch zehn uneheliche Kinder mit der Schauspielerin Dorothea Jordan (1761 - 1816) gezeugt. Ein Nachkomme dieser Liaison ist der amtierende britische Premierminister David Cameron, eine andere Gräfin Sophia Philippa von Kielmansegg.

Die Enkelin des englischen Königs heiratete 1871 den Spross einer der bedeutendsten norddeutschen Adelsfamilien: Alexander von Kielmansegg (1833-1914). Dessen Urahn Johann Adolf Kielmann, ein Jurist aus Itzehoe, war 1652 in den Adelsstand erhoben worden. Fortan machte die Familie Karriere: Alexanders Vater Eduard von Kielmansegg war Ministerpräsident des Königreichs Hannovers und maßgeblich daran beteiligt, die Errungenschaften der 1848er Revolution wieder zu beseitigen. 1862 wurde er entlassen und starb 1879 im österreichischen Exil.

Graf Alexander vertrat ab 1863 als Marineattaché die Interessen des österreichischen Kaiserreichs in London. Dort lernte er Sophia Philippa Sydney kennen, heiratete diese und ließ sich auf Lebenszeit aus dem kaiserlichen Dienstverhältnis beurlauben, um das Leben eines "Gentleman" zu führen. Das Gut Gülzow, seit etwa 100 Jahren im Familienbesitz, gab es von Vater Eduard als Hochzeitsgeschenk.

In einer 8 mal 13 Zentimeter messenden Kladde verewigte die "Lady" Ansichten des Dorfes, aber auch Zeichnungen ihrer britischen Heimat sowie der italienischen Riviera, wo das Paar seinen Urlaub zu verbringen pflegte. Das 51 Seiten starke Skizzenheft brachte jetzt Gülzows ehemaliger Pastor Lothar Weihmann von Gut Heinde bei Bad Salzdetfurth mit, dem heutigen Familiensitz der Kielmanseggs. Bereits im Jahr 1996 hatte Weihmann zum 175-jährigen Jubiläum der Petri-Kirche im Familienarchiv geforscht. "Es ist noch ungeordnet und deshalb gibt es immer wieder überraschende Funde", so der Hobby-Historiker.

Am Sonnabend wird um 13 Uhr im Obergeschoss des Gülzower Markttreffs, Hauptstraße 21, die Ausstellung "Zeichnungen der Lady aus London" eröffnet, die der Arbeitskreis Heimatgeschichte gestaltet hat. Die Ausstellung, die einen Blick in die Welt des Hochadels des 19. Jahrhunderts bietet, ist Wolfgang Möller gewidmet. Der Heimatforscher war während der Vorbereitungen gestorben. Die Schau wird im Rahmen des Kultursommers am Kanal gezeigt und ist an den Wochenenden 16./17. Juni und 23./24.Juni jeweils von 13 bis 17 Uhr geöffnet.