SPD

Super-Polizist will Politik machen

Schwarzenbek. Er hat immer den Finger in die Wunde gelegt, dabei auch Anschläge aus der rechten und linken Szene riskiert. Er führte als Deutschlands wohl bekanntester Polizist V-Leute und bekämpfte die organisierte Kriminalität - und nun will er an seinem Geburtsort kommunalpolitisch mitmischen:

Konrad Freiberg, bis 2010 Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei, möchte frischen Wind in die Schwarzenbeker SPD bringen. Denn Freiberg ist nicht nur Ex-Polizist und Gewerkschafter, sondern auch seit vier Jahrzehnten Genosse.

Bis zu seinem 14. Lebensjahr hat Freiberg in Schwarzenbek gelebt. Er kickte beim SC und spielte Tischtennis beim TSV. Dabei kam er sogar auf Platz 1 der Hamburger Landesliste. "Wir haben damals in der Halle am Schützenplatz trainiert und bekamen eine der ersten Ball-Maschinen", erzählt der 60-Jährige. Aufgewachsen ist er an der Königsberger Allee und hat die Realschule an der Berliner Straße besucht. Dann ging's mit den Eltern nach Hamburg und 1968 zur Polizei. Es folgte ein steiler Aufstieg aus dem mittleren in den gehobenen Dienst, verbunden mit dem Wechsel von der Schutz- zur Kriminalpolizei, und später die Karriere bei der Polizeigewerkschaft.

Vor einem Jahr ging er in den Ruhestand und suchte ein neues Zuhause, weil das alte Haus in Lohbrügge zu groß war und Golden Retriever Samson Arthrose hat. "Wir wollten ein energiesparendes Holzhaus mit einer Etage und fanden die passende Immobilie in Schwarzenbek", erzählt der Pensionär, der sich im Kraftraum des TSV fit hält.

In den vergangenen Jahren ist er für die Gewerkschaft der Polizei jedes Jahr 100 000 Kilometer durch die Republik gefahren und hat 250 Nächte pro Jahr in Hotels verbracht. "Ich war auf Tagungen, in Talkshows, habe Vorträge gehalten. Jetzt lasse ich es ruhiger angehen, möchte mich aber in meiner neuen alten Heimat engagieren", sagt er. "Über mein berufliches Engagement kenne ich mich in der Bundes- und der Hamburger Landespolitik aus, ich war auch oft für die Interessen der Polizei im Kanzleramt. Allerdings mehr bei Gerhard Schröder als bei Angela Merkel", erzählt der überzeugte Sozialdemokrat.

In den vergangenen Monaten hat er sich verstärkt mit Kommunalpolitik in seinem Geburtsort auseinandergesetzt und festgestellt, dass es keiner Partei wirklich gelingt, die Bürger zu begeistern. "Mein letztes entscheidendes Erlebnis war die Einwohnerversammlung, zu der kaum Bürger kamen. Dabei gibt es so viele Initiativen in der Stadt, die einiges bewegen könnten, wenn sie an einem Strang ziehen würden", so Freiberg. Erste Kontakte mit Interessierten will er bei einem SPD- Stammtisch am 27. Juni in Schröders Hotel (19 Uhr) knüpfen und sich dann auch in der SPD engagieren.