Massen-Gentest

Vergewaltiger ist immer noch frei

Schwarzenbek. Die Polizei hat noch immer keine Spur von dem Mann, der im März 2008 eine Schwarzenbekerin in ihrer Wohnung vergewaltigt hatte.

1102 Männer wurden zu einer DNA-Reihenuntersuchung eingeladen (wir berichteten), um anhand der von der Polizei am Tatort gesicherten Spuren des Vergewaltigers einen genetischen Vergleich mit einem der ausgewählten Männer bekommen zu können. "Mittlerweile wurden fast alle freiwillig abgegebenen Speichelproben untersucht. Es war kein Treffer dabei", sagte Kripochef Jürgen Alfke auf Anfrage unserer Zeitung.

Rund 1000 Männer hatten die Polizei durch die Abgabe ihrer Speichelproben bei der Fahndung nach dem Vergewaltiger aktiv unterstützt. Die etwa 100 Verweigerer beschäftigen jetzt die Polizei. "Wir laufen einigen Männern noch immer sehr hinterher", so Alfke. Doch einige der von der operativen Fallanalyse im Vorfeld der Untersuchung selektierten Männer aus Schwarzenbek und Umgebung im Alter zwischen 30 und 50 Jahren sagen ganz offen, dass es ihnen egal ist, dass noch ein Vergewaltiger frei herumläuft. "Wir gehen davon aus, dass unsere Selektion richtig war. Deshalb sind wir überzeugt, den Täter in der ausgewählten Gruppe auch zu finden", erklärt Alfke.

Einige der 100 Männer, die nicht freiwillig zum Test erschienen sind, seien bereits verstorben, andere umgezogen, so Alfke. Bei einigen hätten Ermittlungen bereits ergeben, dass sie als Täter nicht infrage kommen. Erst wenn es für alle 1102 Männer, die ins Raster der Untersuchung passten, ein konkretes Ermittlungsergebnis gibt, kann die Polizei über eine mögliche Ausweitung der Überprüfung nachdenken. In so einer zweiten Stufe könnte der Umkreis, in dem die Männer leben, deutlich ausgeweitet werden, ebenso könnte eine andere Altersgruppe eingeladen werden.

Die Polizei geht jedoch davon aus, dass der Vergewaltiger in der Region lebt - oder während der Tat hier gewohnt hat. "Es kann durchaus sein - das hat uns auch die Fallanalyse gesagt - dass Opfer und Täter in der Gegend wohnen, sich aber trotzdem nicht über den Weg laufen, weil sie komplett verschiedene Lebensgewohnheiten haben", berichtet Alfke. Die Ermittler sind der Meinung, dass der Vergewaltiger die Lebensumstände seines Opfers vor der Tat ausspioniert haben muss. Er hatte dann morgens an der Tür der Frau geklingelt, sich als Paketbote ausgegeben und die damals 39 Jahre alte Schwarzenbekerin nach dem Öffnen in ihrer Wohnung vergewaltigt.